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Philosophische Praxis und Spirituelle Praxis

I Ging


  1. I Ging – Entstehung und Bedeutung

  2. Nach welchem Gesetz funktioniert das I Ging?
    1. Quantenphysik und Synchronizität
    2. Außergewöhnliche Bewusstseinszustände
    3. Dem Tao auf der Spur – Das I Ging zwischen Schicksal und Willensfreiheit

  3. Das I Ging – Weiser und praktischer Ratgeber im Alltag
    1. Hilfreiche Informationen vor der ersten Befragung des I Ging
    2. Wann ist es sinnvoll, das I Ging zu befragen?
    3. Wie formuliere ich meine Frage?
    4. Deutung der Hexagramme - I Ging-Beratung als Selbstbefragung

  4. Leben mit dem I Ging – Ein neuer Anfang...

3. Das I Ging - Weiser und praktischer Ratgeber im Alltag

3.1 Hilfreiche Informationen vor der ersten Befragung des I Ging

Solltest Du noch kein I Ging-Deutungsbuch besitzen, empfehle ich die Anschaffung eines der folgenden Werke:

Falls Du mit der alten chinesischen Philosophie, insbesondere mit dem Taoismus, gut vertraut bist, wirst Du den Klassiker des I Ging von Richard Wilhelm sicher schon kennen:
I Ging, Text und Materialien, Übersetzt von Richard Wilhelm, Diederichs Verlag, München, 1995
.

Die beste deutschsprachige Übersetzung seit Richard Wilhelm scheint mir die von Georg Zimmermann zu sein:
Georg Zimmermann, I Ging - Das Buch der Wandlungen, Patmos Verlag, Düsseldorf, 2007
.

Besonders für Anfänger empfehle ich:
R.L. Wing, Das Arbeitsbuch zum I Ging, Goldmann Verlag, München, 2004
.
Die Deutungstexte sind hier mehr dem westlichen Sprachgebrauch angepasst, somit leichter verständlich, erreichen jedoch nicht ganz die Tiefe der erstgenannten Bücher. Jedes Exemplar enthält drei schöne chinesische Orakelmünzen.
Solange Du noch kein Deutungsbuch besitzt, kannst Du die Texte zu den 64 Hexagrammen des I Ging auch online einsehen: Deutungstexte in der Übersetzung von Richard Wilhelm

Da es nicht sicher ist, dass diese Website dauerhaft zur Verfügung steht, gebe ich hier eine kurze Einführung in die Technik der I Ging-Befragung.

Hexagramme

Um ein Hexagramm zu erstellen, sind sechs Würfe erforderlich mit jeweils drei Münzen. Bei den meisten im Westen gebräuchlichen Münzen wird gewöhnlich Kopf als Yin und Zahl als Yang definiert. Solltest Du chinesische Münzen benutzen, empfehle ich, die allgemein gebräuchliche Definition zu übernehmen. Falls sie Dir unbekannt ist, kannst Du die Festlegung auch selber vornehmen.

Für jeden Wurf ergeben sich vier möglich Ergebnisse:
  1. 2x Yin und 1x Yang
  2. 2x Yang und 1x Yin
  3. 3x Yang
  4. 3x Yin
Das Ergebnis aller sechs Würfe wird in Form von sechs einzelnen Linien protokolliert. In den Fällen 1 und 2 entscheidet jeweils die Münzseite über die Form der zu ziehenden Linie, die nur ein Mal vorkommt. Bei Ergebnis 1 ist das die Yang-Seite. Sie wird durch eine durchgezogene Linie gekennzeichnet. In Ergebnis 2 kommt Yin nur ein Mal vor und wird als unterbrochene Linie dargestellt. Die Ergebnisse 3 und 4 stellen bewegte Linien dar, für die es einen eigenen Deutungstext gibt. Um diese zu kennzeichnen, wird im Fall von Ergebnis 3 die Yang-Linie durch einen Kreis in der Mitte ergänzt und bei Ergebnis 4 die Yin-Linie durch ein Kreuz.

1. Ergebnis = Yang
2. Ergebnis = Yin

3. Ergebnis = Yang bewegt: Die Yang-Linie erhält in der Mitte einen Kreis
.
4. Ergebnis = Yin bewegt: Die Yin-Linie wird in der Mitte mit einem Kreuz versehen.
Beim Aufzeichnen wird immer mit der untersten Linie begonnen. Kämen also bei den sechs Würfen folgende Ergebnisse zustande ...
  1. 2x Yin/1x Yang
  2. 1x Yin/2x Yang
  3. 3x Yin
  4. 2x Yin/1x Yang
  5. 3x Yin
  6. 3x Yang
... so ergäbe sich daraus dieses Hexagramm (Nr. 21, Das Durchbeißen):
Das Hexagramm setzt sich aus zwei Trigrammen (drei Linien) zusammen, dem unteren mit dem Namen Dschen (bei Richard Wilhelm: Das Erregende, Der Donner) und dem oberen (Das Haftende, Das Feuer). Sucht man in einer Tabelle (zu finden in den oben angegeben Büchern sowie der verlinkten Website) zunächst das untere Trigramm „Dschen“ auf und schaut nach, wo es in der Spalte auf das obere Trigramm "Li" trifft, so erhält man als Ergebnis der Befragung das Hexagramm Nr. 21 "Schi Ho, Das Durchbeißen". Jetzt braucht man nur noch im Deutungsbuch die Nr. 21 herauszusuchen und kann den dazugehörigen Text lesen.

3.2 Wann ist es sinnvoll, das I Ging zu befragen?

Es macht nur dann Sinn, das I Ging zu befragen, wenn es um eine Frage von großer Bedeutung geht, bei der Du trotz intensiver Klärungsbemühungen innerlich schwankend bleibst. Eine weitere Voraussetzung ist, dass Du dem Orakel als weisen Ratgeber vertraust. Falls Du Dir unsicher bist, erweitere Deinen Informationsstand über das I Ging, bis Du zu einem klaren Ja oder Nein kommst.

Ist das Ergebnis positiv, dann überprüfe zunächst, ob Du Deine Frage auch ohne das I Ging beantworten kannst. Dafür empfehle ich die "Bauchmethode":

Wähle einen Zeit-Raum, wo Du ungestört bist, lege Dich auf den Rücken und atme zehn Mal tief ein und aus. Gib Dich nun ganz Deiner Frage hin und beobachte, welche möglichen Antworten in Deiner Vorstellung auftauchen. Sobald sich eine klare Vorstellung zeigt, beobachte, wie Dein Bauch darauf reagiert. Beginnt er vor Wohlbehagen zu brummen, oder zieht er sich krampfhaft zusammen? Hast Du eine klare Antwort erhalten, warte, bis sich die erste Vorstellung verabschiedet und eine zweite oder dritte vor Deinem geistigen Auge auftaucht. Verfahre genau so wie bei der ersten Vorstellung. Wenn Du das Gefühl hast, dass keine gefühlsintensiven Vorstellungen mehr auftauchen, kannst Du die Befragung beenden.

Falls Du keine klare Antwort erhalten hast, wiederhole den Vorgang direkt oder später, wobei Du diesmal Deine Aufmerksamkeit ganz auf Dein Herz richtest. Beobachte, ob Dein Herz sich bei einer bestimmten Vorstellung öffnet und Dir warm ums Herz wird, oder ob sich Dein Herz verkrampft bzw. ängstlich zu rasen beginnt.

Sollte eine dieser beiden Gewahrseinsübungen Dir Klarheit bezüglich Deiner Frage verschafft haben, brauchst Du das I Ging nicht mehr zu befragen. Jetzt geht es „nur“ noch darum, der Stimme Deines Bauches bzw. Herzens zu folgen oder nicht zu folgen. Hat Deine innere Befragung Dich nicht zu einem klaren Ergebnis geführt, kannst Du Deine Frage vertrauensvoll dem I Ging übergeben. Es wird Dir genau den Text zeigen, der den Schlüssel zur Klärung enthält.

Wer seriös mit dem I Ging arbeitet, wird bald bemerken, dass er seine innere Stimme immer leichter und deutlicher vernehmen kann. Das ist der eigentliche Sinn der Arbeit mit dem Weisheitsbuch. Viele Anfänger machen den Fehler, auf die Bauch- bzw. Herzbefragung zu verzichten und werfen die Münzen für die kleinsten alltäglichen Probleme. Ein solches Verhalten führt zum genauen Gegenteil dessen, was die Weisheit des Buchs der Wandlungen uns ermöglicht, nämlich die Befreiung von äußeren Abhängigkeiten. Wer zur inflationären Befragung des Orakels neigt, wird Abhängigkeit statt Freiheit, Verwirrung statt Klarheit ernten.

3.3 Wie formuliere ich meine Frage?

Eine hilfreiche Antwort kann es nur auf eine richtige Frage geben. Als Faustregel gilt: Je offener die Frage, desto tiefgründiger die Antwort. Dazu ein Beispiel:

Eine Frau erwägt die Beziehung zu ihrem Partner zu beenden und hat dafür einen bestimmten Tag ins Auge gefasst. Nun möchte sie das I Ging fragen: "Soll ich mich übermorgen von meinem Partner trennen?" Diese Frage bedeutet eine Einengung der Antwortmöglichkeiten des I Ging. Angenommen, das I Ging verfügt über alle Informationen, die langfristig für eine optimale Entwicklung der Fragestellerin relevant sind und weiß, dass die wichtigste Botschaft an die Frau lautet:

"Ihre Probleme kommen aus dem Inneren. Sie müssen ihre Haltungen verändern und jedes Gefühl der Entfremdung überwinden. Wenn Sie ihre Anschauungen und Gefühle gegenüber Ihren Mitmenschen verbessern können, finden Sie Ruhe und vermeiden unnötiges Leid."
(Auszug aus: R.L. Wing, Das Arbeitsbuch zum I Ging, Hexagramm Nr. 59, Die Wiedervereinigung, zweite bewegte Linie, S. 291).
Verbindung und Trennung
Trennung oder neue Verbindung?


Wahrscheinlich wäre die Fragestellerin über diese Antwort des Orakels enttäuscht und könnte wenig damit anfangen. Enttäuschung ist das Ergebnis falscher Erwartungen. Aus Sicht des I Ging ist nämlich die Frage der Trennung von ihrem Partner ein sekundäres Problem, dessen tiefere Ursache die Selbstentfremdung der Frau ist, die ihr in der Entfremdung zu ihrem Partner gespiegelt wird. Auch wenn uns das nicht immer angenehm ist: Das I Ging ist der Spiegel, der unsere Projektionen reflektiert und zwar in der doppelten Bedeutung des Wortes, als eine Rückspiegelung und als Resultat eines Abwägungsprozesses, der uns zeigt, wie wir mit einer bestimmten Projektion umgehen sollten.

Hätte die Frau ihre Frage anders formuliert, etwa so: „Was möchtest Du [das I Ging] mir zu meiner Überlegung mitteilen, mich von meinem Partner zu trennen?“, dann hätte sie den Hinweis auf ihre eigene innere Verfassung wahrscheinlich besser verstehen und annehmen können. Noch offener (allerdings eher für Fortgeschrittene geeignet) wären die Fragen: "Was möchtest Du mir über die Beziehung zu meinem Partner mitteilen?“ - oder: "Was möchtest Du mir über meine Beziehungsfähigkeit mitteilen?"

Hier könnte man einwenden, dass bei einer offenen Fragestellung das eigentliche Anliegen, von dem man glaubt, dass es keinen Aufschub duldet, nicht befriedigend geklärt wird. In der Tat beantwortet der Hinweis auf eine innere Problematik der Frau nicht die Frage, ob sie sich jetzt von ihrem Partner trennen soll. Deshalb würde es hier Sinn machen, die ursprüngliche, einengende Frage mit einer kleinen Modifikation als Zusatzfrage zu stellen: „Soll ich mich jetzt von meinem Partner trennen?“ Mögliche Antworten des I Ging wären zum Beispiel:

"Halten Sie sich zurück, denn Sie wissen nicht genau, ob dies die passende Zeit zum Handeln ist. Warten Sie, bis Sie sicher sind. Ein wenig Mäßigung wird jetzt Gutes bewirken, während verfrühte Handlungen Schwierigkeiten mit sich bringen."
(Auszug aus: R.L. Wing, Das Arbeitsbuch zum I Ging, Hexagramm Nr. 49, Die Umwälzung, erste bewegte Linie, S. 248). – oder:

"Es gibt Menschen, die sich Ihnen nur zum eigenen Nutzen anschließen. Das sind parasitäre Beziehungen, die zur Gewohnheit werden können. Sie sollten sich von dieser Art der Verstrickung befreien, da sie andere zurückstößt, die wertvollere Verbündete in Ihren Unternehmungen sein könnten."
(Auszug aus: R.L. Wing, Das Arbeitsbuch zum I Ging, Hexagramm Nr. 40, Die Befreiung, vierte bewegte Linie, S. 215).

Es ist also sinnvoll, zunächst mit möglichst offenen Fragestellungen zu beginnen und nur dann mit konkreteren Fragen fortzufahren, wenn die Antwort auf eine offene Frage zu keiner hinreichenden Klärung führt.

Bevor Du mit dem Werfen der Münzen beginnst, solltest Du noch die folgenden kleinen Vorbereitungen treffen:
Auf einem ausreichend großen Tisch oder auf dem Fußboden sollte nach Möglichkeit ein schönes Tuch ausgebreitet werden, das als Wurfunterlage dient. Lege ein kleines Blatt Papier und Schreibmaterial bereit, damit Du die Ergebnisse der einzelnen Würfe notieren kannst. Entscheide, welche der beiden Münzseiten Yin und welche Yang sein soll. Lege fest, wann ein Münzwurf nicht gelten soll, zum Beispiel, wenn eine Münze vom Tisch fällt oder wenn Münzen aufeinander liegen bleiben. Mache ein paar tiefe Atemzüge, schließe die Augen und konzentriere Dich vollkommen auf die Frage, die Dich bewegt. Der Münzwurf kann beginnen ...

3.4 Wie interpretiere ich die Deutungstexte? - I Ging-Beratung als Selbstbefragung

Klarheit und Tiefe der Deutung entsprechen genau der Verstehens- bzw. Interpretationskompetenz, über die Du jetzt verfügst. William Blake hat einmal gesagt:

Ein Narr sieht nicht denselben Baum, den ein Weiser sieht.

Man sollte möglichst eine gehörige Portion Weisheit mitbringen, wenn man mit der Befragung des I Ging beginnt. Ein weiser Mensch zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass er weiß, wann er mit seiner Weisheit am Ende ist. Es ist ein Zeichen von Weisheit, wenn man anerkennt, dass die eigene Weisheit Unwissenheit ist im Verhältnis zur höheren Weisheit des I Ging. Verfügt jemand über wenig Weisheit, jedoch über ein starkes Urvertrauen, stehen die Chancen gut, dass sich die Weisheit bei jahrelanger Arbeit mit dem I Ging kontinuierlich weiter entwickelt.
Caspar David Friedrich Krähen
Krähen auf einem Baum
Ölgemälde von Caspar David Friedrich
"A fool sees not the same tree
that a wise man sees.
" William Blake


Weisheit ist ein relativer Begriff: Die Weisheit gibt es nicht. Ein untrügliches Zeichen von Weisheit ist, wenn ein Mensch sich dessen bewusst ist, dass er heute nicht so weise ist, wie er morgen sein wird. Aus diesem Bewusstsein heraus verhält sich der Weise stets respektvoll und demütig gegenüber höheren Formen der Weisheit sowie geduldig und verständnisvoll gegenüber niederen Formen. Eine solche Haltung schützt vor Starrsinn und Überheblichkeit und führt zu der Einsicht, dass auch die strebsamste Ansammlung von Wissen den Zugang zum Kosmos der höchsten Weisheit nicht verschaffen kann
.

Vor dem Tor der höchsten Weisheit steht geschrieben:

"Hast Du alles abgelegt, was Du glaubtest zu haben oder zu sein?
So trete ein!
"

Das 48. Kapitel des Tao te king von Laotse beginnt mit den Worten:

"Wer sich dem Lernen hingibt,
nimmt täglich zu.
Wer sich dem Tao hingibt,
nimmt täglich ab.
"
Übersetzung Zensho W. Kopp

Um abnehmen zu können, muss man zunächst einmal zugenommen haben. Das Lernen ist also nicht unwichtig. Seine Erfüllung findet es aber erst, wenn der Mensch sich des Sisyphuscharakters jeglicher Ansammlung von Wissen bewusst wird. Dann schlägt die Stunde der Weisheit. Der Verzicht auf die Vermehrung des individuellen subjektiven Wissens öffnet das Tor zur universellen Weisheit, die alles Sein und Nichtsein umfasst. Der Weise wirft alle alten Strategien über Bord, verzichtet auf die Entwicklung neuer und überlässt die Regie dem Tao als der höchsten Weisheit. So befreit er sich von überflüssigem Ballast und vereinfacht sein Leben mehr und mehr. Weisheit ist kristallisierte Einfachheit. Achte deshalb darauf, während Du den Deutungstext mit Deiner Frage in Verbindung bringst, ob alte Denkmuster dem Verständnis der I Ging-Botschaft entgegenstehen
!

Sisyphos - Stein der Weisen
Der Stein der Weisen meidet den vergeblichen Aufstieg. Friedlich und entspannt ruht er im Tal.
Das übergeordnete Motiv, das allen Befragungen des I Ging zugrunde liegt, ist der Wunsch nach mehr Klarheit und Einfachheit. Wir wünschen uns kristallklare und einfache Antworten. Und wie durch ein Wunder erhalten wir diese immer, wenn wir das Orakel offen befragen. Voraussetzung dafür, dass man die klaren und einfachen Botschaften empfängt und versteht, ist ein Zustand der inneren Zentriertheit während der Münzwürfe ebenso wie während der Interpretation des Orakeltextes.
Bist Du innerlich zentriert, hellwach und empfänglich für alle Regungen, die die Deutungstexte in Deinem Körper, in Deinem Geist und in Deiner Seele auslösen, dann können es einzelne Worte oder Sätze im Deutungstext sein, die Dich elektrisieren und Dir unmittelbar klar machen, was Du tun oder unterlassen solltest. Im Zustand eines dreidimensionalen Gewahrseins kannst Du spüren, wie sich die Botschaft in Körper, Geist und Seele anfühlt.

Deine Gedanken hatten Dir keine Klarheit verschafft, sonst hättest Du das I Ging gar nicht erst befragt. In den Regungen aber, die der Text in Dir auslöst, offenbart sich die „geheime“ Botschaft des Orakels.
Eine gelungene I Ging-Beratung hat immer den Charakter einer Selbstbefragung. Die Fragen - ebenso wie die Antworten und deren Deutung - sind nichts anderes als eine kristallklare Selbstbespiegelung als Spiegelung des Einen selbst. Wer so mit dem Buch der Wandlungen umgeht, wird gar nicht erst in Versuchung geraten, es als Wahrsagesystem zu missbrauchen, denn die Wahrheit liegt nicht in den Antworten, sondern darin, dass der Fragende den Deutungstext mit seinem eigenen Leben in Verbindung bringt und sich aus diesem Prozess heraus erst seine neuen individuellen Denk- und Handlungsimpulse selber erschließt.


4. Leben mit dem I Ging – Ein neuer Anfang ...

Meine erste Begegnung mit einem Orakelsystem fand 1984 während eines Bioenergetik-Seminars statt. Der Seminarleiter ließ am Ende alle Teilnehmer eine Karte aus dem Crowley-Tarot ziehen, die uns spiegeln sollte, welche Bedeutung der aktuelle Tag für uns hätte. Obwohl ich damals Orakeln gegenüber sehr skeptisch eingestellt war, entschloss ich mich - im Hochgefühl eines gelungenen Wochenendes - zum Mitmachen.
Ich zog die Karte Ritter der Kelche. Im Deutungstext stand: „Suche deine wahre Familie, die Gemeinschaft, in der du dich zu Hause fühlst.“ Irgendwie fühlte ich mich von der Karte inspiriert, ging – entgegen meinen Gewohnheiten – am selben Abend noch aus und lernte einen Menschen kennen, der noch heute zu meiner Wahlfamilie gehört.
Gut ein Jahr später befragte ich zum ersten Mal das I Ging mit der Haltung eines naiv gläubigen Kindes, das abends vor dem Einschlafen Gott um eine wichtige Auskunft bittet. Ich erhielt eine Antwort, die so kristallklar und hilfreich war, dass das I Ging nun seit über 20 Jahren mein Begleiter ist, den ich im Durchschnitt zwei bis drei Mal im Jahr aufsuche.

Wenn ich mich rückblickend frage, was ich der Arbeit mit dem I Ging zu verdanken habe, so fällt mir als erstes Urvertrauen ein. Während meines wissenschaftlichen Studiums und späterer Lehrtätigkeit hatte ich viel Wissen gewonnen und viel von dem Urvertrauen verloren, das ich als Kind hatte. Ich war früh erfolgreich und anerkannt, empfand aber innerlich den Schmerz einer zunehmenden Leere. Im gleichen Augenblick, als mir bewusst wurde, dass die Ansammlung von noch mehr Wissen diese innere Leere nie würde füllen können, begegnete ich im I Ging einem geheimnisvollen Zauber, der mein Leben neu entflammte.

Eine verloren geglaubte Dimension schimmerte hinter dem Vorhang der oberflächlichen Illusionswelt hervor. Mehr und mehr wuchs das Gewahrsein von etwas Unzerstörbarem innerhalb und außerhalb von mir, etwas, das ewig jung bleibt, während der Vorhang vergilbt und schließlich zu Staub zerfällt. Meine Angst vor dem Tod verwandelte sich in Freude am Leben, mein Gefühl des Getriebenseins in Gelassenheit. Vergangenheit und Zukunft machten dem Augenblick Platz.

Im Jahre 1989 führte ich zum ersten Mal eine I Ging-Beratung mit einer Klientin durch. Das Orakel brachte während einer einzigen Sitzung Dinge ans Tageslicht, die in einer klassischen Therapie nur auf mühsame und zeitraubende Weise hervorgeholt werden können. Das verleitete mich dazu, das I Ging häufiger in meiner Praxisarbeit einzusetzen.

Ich musste aber bald feststellen, dass nur wenige Menschen auf eine tiefe und kreative Weise mit dem Buch der Wandlungen arbeiten können. Die besten Voraussetzungen dafür liegen offenbar in der Kombination aus kindlichem Urvertrauen, einem hoch entwickelten Gewahrsein und einer besonderen Fähigkeit, Zusammenhänge zu erkennen. Das I Ging scheint sich nur denen zu öffnen, die bereit und in der Lage sind, sich ihrerseits ihm zu öffnen und es zu verstehen. Wenn es sich aber öffnet, dann scheint es nur zwei Möglichkeiten zu kennen: Vorhang ganz auf oder Vorhang ganz zu.

Ich habe den Eindruck, dass das I Ging sich die Menschen aussucht, mit denen es arbeiten möchte, und nicht umgekehrt. Deshalb: Mit wem es Klartext spricht, der sollte dankbar sein und das Geschenk an diejenigen weiter geben, die seine Sprache verstehen.
Ich habe den Eindruck, dass das I Ging sich die Menschen aussucht, mit denen es arbeiten möchte, und nicht umgekehrt. Deshalb: Mit wem es Klartext spricht, der sollte dankbar sein und das Geschenk an diejenigen weiter geben, die seine Sprache verstehen.
Warten auf Godot
Warten auf Godot
Wem das Tao auf der Weltbühne erscheint,
dem rafft der sich öffnende Vorhang
alle alten Trugbilder dahin,
und ein neues Leben beginnt,
in dem alles Wirklichkeit und Zeichen ist.

"Der wirkliche Zustand des Menschen ist der, wo alles Zeichen ist!" Robert Musil


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