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Philosophische Praxis und Spirituelle Praxis

Meditation

Was bewirkt Meditation? - Wie meditiere ich richtig? - Westliche und östliche Meditation - Sechs Stufen der Meditation

 

In den letzten Jahren ist die Wirksamkeit der Meditation in zahlreichen wissenschaftlichen Studien untersucht worden. Bei Menschen, die regelmäßig meditieren, konnten unter anderem folgende Wirkungen beobachtet werden:

  • Meditation stärkt das Immunsystem und vermindert die Anfälligkeit für Krankheiten.
  • Das Risiko von Herzinfarkten und Schlaganfällen wird deutlich reduziert.
  • Meditation hilft, Ängste abzubauen und Depressionen vorzubeugen.
  • Der physiologische und mentale Alterungsprozess verlangsamt sich.
  • Fast alle Praktizierenden berichten von einer Steigerung des allgemeinen Wohlbefindens.
  • Wer meditiert, wird innerlich ruhiger und gelassener.
  • Das Bedürfnis nach schädlichen Gewohnheiten und Suchtverhalten nimmt ab.
  • Das vermehrte Auftreten von mit Tiefenentspannung einhergehenden Gehirnwellen (Alphawellen) erklärt die entspannende und stressmindernde Wirkung der Meditation.
  • Meditation fördert die Kreativität und intuitive Intelligenz.
  • Sie vertieft die Selbstwahrnehmung und steigert die Kommunikationskompetenz, indem sie ein fließendes Gewahrsein der eigenen Gedanken und Vorstellungen sowie der körperlichen und seelischen Empfindungen ermöglicht.
  • Meditation ist ein hilfreiches Element der Individuation.
  • Sie führt auf Dauer unwillkürlich zur Überwindung dualistischer Denk- und Verhaltensmuster und stärkt auf diese Weise das Selbst- und Urvertrauen.
  • Richtig angewendet, macht Meditation bodenständig und vereinfacht den Lebensalltag.


Meditation
Meditation
Meditation ist keine Übung, sondern ein Zustand.

Richtig meditieren heißt absichtslos wahrnehmen

Angesichts der enormen Vorteile, die das Meditieren bietet, stellt sich die Frage, warum nur relativ wenige Menschen meditieren, und warum fast jeder Zweite die Meditationspraxis bereits nach kurzer Zeit beendet, wie verschiedene Untersuchungen belegen (zum Beispiel eine Studie der Universität Potsdam aus dem Jahr 2004).

Den Hauptgrund für die niedrige Meditationsquote und die hohe Abbruchrate sehe ich darin, dass Meditation die Bereitschaft erfordert, die Wirklichkeit so zu sehen, wie sie ist. Wie unbefriedigend das eigene Leben auch empfunden werden mag, die meisten Menschen halten lieber daran fest, als das Risiko einer grundlegenden Veränderung einzugehen. Wer aber regelmäßig meditiert, muss damit rechnen, dass sich sein Selbst- und Weltbild grundlegend wandeln wird. Das alte hyperreflektierende Selbst wird allmählich durch ein präsentes Selbst ersetzt, da der leere Raum, den wir uns in der Meditation zur Verfügung stellen, sukzessive all unsere Ego-Konzepte schluckt. Bei vielen Meditierenden löst das eine Angst vor der Leere (horror vacui) aus, was sie dazu veranlasst, gar nicht erst mit dem Meditieren anzufangen, oder es schnell wieder aufzugeben.

Ob Du richtig meditierst oder nicht, kannst Du am besten daran beobachten, inwieweit die oben beschriebenen positiven Wirkungen sich einstellen. Anfänger begehen häufig den Kardinalfehler, durch Meditation bestimmte Ziele erzwingen zu wollen. Meditation ist jedoch das Gegenteil von Wille und Zwang. Es geht zunächst darum, ebenso entschlossen wie absichtslos einfach nur wahrzunehmen, was geschieht, das heißt, dessen gewahr zu werden, was ist. Die pragmatische Zen-Lehrerin Joko Beck weist zurecht darauf hin, dass es im Prinzip kein richtiges oder falsches Meditieren gibt, sondern dass es entscheidend auf die Qualität des Gewahrseins ankommt.
"Es gibt kein gutes oder schlechtes Meditieren; es gibt nur das Gewahrsein oder den Mangel an Gewahrsein dafür, was in unserem Leben vor sich geht."
Charlotte Joko Beck: Einfach Zen, Knaur Verlag, München, 1995, S. 365

Tauchen während des frei schwebenden Gewahsreins Einsichten und Handlungsimpulse auf, kann es besonders für Anfänger sinnvoll sein, diese nach einer Meditation stichpunktartig festzuhalten. Es wäre aber wiederum ein Fehler, die neu gewonnenen Einsichten mit der Brechstange in Handlungen umsetzen zu wollen. Stattdessen sollte man die meditative Haltung im Sitzen immer mehr auf den gewöhnlichen Alltag ausdehnen und einfach nur beobachten, wie aus neuer Wahrnehmung neue Wirklichkeit wird. Je weniger egobezogen wir wahrnehmen, desto mehr erschließt sich uns, was die Welt im Innersten zusammenhält, wie Goethe es formuliert hat.

Diese Art des In-der-Welt-Seins wird im Taoismus seit Laotse als Wu wei bezeichnet. Es handelt sich um die fundamentale Einsicht, dass es ein universelles Wirkprinzip (Tao) gibt, das uns in allem begleitet und prägt, was wir tun oder unterlassen. Die großen Meditationsexperten aller Zeiten, besonders die Zen-Buddhisten, erklären übereinstimmend, dass wer regelmäßig wach und zwanglos meditiert, früher oder später zu dem Punkt kommt, wo er hinter den dualistischen Fassaden der phänomenalen Welt die Einheit von allem entdeckt. Diese Erfahrung wird als Erwachen, Erleuchtung, Satori usw. bezeichnet.

Dieser transzendente Aspekt der Meditation ist vielen westlichen Menschen fremd oder gar unheimlich. Sie haben meist nur die weltlichen Vorteile des Meditierens im Auge, was am Anfang auch überhaupt kein Problem darstellt. Wer aber ernsthaft meditiert, wird sich auf Dauer der transzendenten Ebene nicht verschließen können, es sei denn, er blockt diese bewusst ab. Dann aber gerät der gesamte Meditationsprozess ins Stocken, da alles Zwanghafte den freien Energiefluss auf der physischen wie auf der mentalen Ebene blockiert.

Wer mit dem Meditieren beginnt, sollte wissen, worauf er sich einlässt, denn Meditation bedeutet eine kopernikanische Wende bezüglich des In-der-Welt-Seins. Uns wird allmählich oder blitzartig bewusst, dass es im Universum keine Grenzen gibt, außer denen, die unser dualistisches Denken selbst gezogen hat.

Jeder der meditiert, macht seine eigenen unvergleichlichen Erfahrungen, und doch lassen sich gewisse allgemeine Entwicklungsphasen beobachten, die während eines jahrelangen Meditationsprozesses gewöhnlich durchlaufen werden. Um vor allem Anfängern eine Orientierungsmöglichkeit zu bieten, beschreibe ich weiter unten sechs Stufen der Meditation, so wie ich sie bei mir selbst und bei zahlreichen Klienten wahrgenommen habe, deren Meditationsprozess ich in meiner Kölner Praxis begleiten durfte.

Meditation findet nicht im luftleeren Raum statt. Sie sollte den zivilisatorischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen angepasst sein. Für westliche Menschen ist es besonders wichtig, die persönlichen Lebensumstände so weit wie möglich zu vereinfachen und die aus der Meditation gewonnene Kraft gleichermaßen geschickt für das eigene Leben einzusetzen wie für alle übrigen Lebewesen. Nur so kann man in einem materialistisch verseuchten Umfeld körperlich und seelisch gesund bleiben.




Meditation und Ziele - Das Paradox der zielgerichteten Ziellosigkeit


Nach wie vor hält eine breite Mehrheit westlicher Menschen Meditationen, die mit keinem konkreten Ziel verbunden sind, für eine lächerliche Form von Wirklichkeitsflucht. Besonders Jugendliche machen sich oft einen Spaß daraus, die klassische Meditationshaltung zu karikieren, indem sie sie imitieren und dabei ein künstlich artikuliertes "OM" von sich geben. Sie möchten damit zum Ausdruck bringen, dass sie so etwas für Spinnerei halten - womit sie meiner Ansicht nach nicht ganz unrecht haben. Was hier nach Karikatur schreit, ist nicht die meditative Haltung an sich, die, wenn sie authentisch praktiziert wird, Ruhe, Kraft und Zentrierung ausstrahlt.

Jugendliche haben ein besonderes Gespür für Unstimmigkeiten, und wenn sie sich über einen Guru im Zustand der Versenkung lustig machen, weisen sie mehr oder weniger bewusst auf die Diskrepanz zwischen östlicher Innerlichkeit und westlichem Lebenstil hin. Meditation wird als skurriler Verzicht auf Erfolg im westlichen Sinne interpretiert. Wer meditiert - so die weit verbreitete Vorstellung - verabschiedet sich von der Welt, spielt in ihr keine Rolle mehr und muss deshalb auch nicht ernst genommen werden. Dieselben Jugendlichen sind nach meinen Erfahrungen gern bereit, sich auf Meditation einzulassen, wenn man ihnen verständlich erklärt, welche Vorteile das Meditieren ihnen persönlich bringen kann.

Auch ich finde es lächerlich, wenn zum Beispiel ein Großstadtbewohner eine Meditationsform zu imitieren versucht, die auf reiner Innerlichkeit, Askese und radikalem Rückzug basiert. Und wer als vermeintlicher Guru eine solche Meditationspraxis lehrt, tappt in meinen Augen in die klassische Falle der Donquichotterie. Wenn man die Umgebung ignoriert, in der man meditiert, kämpft man irgendwann nur noch vergeblich gegen Windmühlen.

Wir müssen im Westen anders mit Meditation umgehen als im Osten und dabei keineswegs auf die wertvollen Schätze, die die östliche Meditation in sich birgt, verzichten. Wir brauchen aber auch eine solide Basis, die den westlichen Gegebenheiten Rechnung trägt. Als Vorbild kann uns hier wiederum ein östlicher Denker dienen, für den Innerlichkeit und Leben in der Wirklichkeit keine Gegensätze waren. Ich spreche von dem alten Chinesen Laotse, dessen Taoismus ein Kurs in Wirklichkeit bedeutet. In seinem Tao te king überwindet Laotse die pseudoduale Kluft zwischen Immanenz und Transzendenz nicht durch eine Abwendung von der realen Welt, sondern durch eine radikale Hinwendung zur Wirklichkeit.


Zauberbaum
Wenn unser Ziel nur noch Wirklichkeit ist,
offenbart diese uns den Zauber ihrer ziellosen Schönheit.

Foto Marta Bondy: http://www.naturwesen11.com/



Das Paradox der zielgerichteten Ziellosigkeit löst sich in dem Augenblick auf, wo nur noch ein Ziel übrig bleibt, nämlich das kontinuierliche Bewusstsein, jederzeit wirklich zu sein. Das erklärt, warum die meisten Menschen mit dem Meditieren beginnen, wenn sie das Gefühl haben, unwirklich zu sein, das heißt wenn sie eine Diskrepanz empfinden zwischen dem, was sie wirklich sind und dem, was sie wirklich sein wollen. Aus diesem Empfinden heraus formulieren sie Ziele wie: Ich will entspannter, entschlossener, innerlich ruhiger und klarer werden. Dann beschaffen sie sich gewöhnlich Informationen aus Büchern, aus dem Internet oder aus Meditationskursen, die ihnen Methoden zeigen, wie sie durch themenspezifische Meditationen ihre Ziele erreichen können. Wenn überhaupt, können solche Ziele auf diesem Weg aber nur vorübergehend erreicht werden. Warum?

Man wird schnell ungeduldig auf diesem Weg, denn kaum hat man ein Ziel erreicht, taucht bereits das nächste auf, und die Ziele, die man glaubte für immer erreicht zu haben, erweisen sich als Luftblasen, wenn man ihnen im Alltag nicht mehr die erforderliche Aufmerksamkeit widmen kann. Hegel hat einmal gesagt: "Die Ungeduld verlangt das Unmögliche, nämlich die Erreichung des Ziels ohne die Mittel." Das einzige Mittel, um z.B. nachhaltig zu innerer Ruhe zu gelangen, besteht nicht darin, sie durch bestimmte Techniken erreichen zu wollen, sondern sich die innere Unruhe in aller Ruhe anzuschauen. Sobald man mit den Quellen der inneren Unruhe in Berührung gekommen ist, kann man sich - das wäre der typisch westliche Weg - daran machen, den alltäglichen Unruheherden kein neues Brennmaterial mehr zur Verfügung zu stellen und vielleicht sogar das ein oder andere Feuer zu löschen. Dies wäre der Weg der Selbsterfahrung, der Selbsterkenntnis oder der Selbsttherapie.

Die meisten östlichen Meditationslehren gehen davon aus, dass innere Ruhe ganz von selbst einkehrt, wenn es gelingt, den inneren Geist zur Ruhe zu bringen. Der indische Philosoph und spirituelle Lehrer Krishnamurti sagt: "Meditation hat überhaupt nichts mit Bewegung zu tun. Das heißt, der Geist ist absolut still, er bewegt sich in gar keiner Richtung." Legte man diesen strengen Maßstab an, dann wären wohl über 99 Prozent der Menschen unfähig zu meditieren. So groß scheint mir aber die Kluft zwischen westlicher und östlicher Meditation nicht zu sein. Das was wir im Westen unter Meditation verstehen, wäre im Sinne Krishnamurtis lediglich eine Vorbereitung darauf. Nach den Erfahrungen in meiner Kölner Praxis können sich der westliche und der östliche Weg gegenseitig befruchten, wie ich weiter unten im Stufen-Modell näher erläutere.



Bardos und Daseinsbereiche - Schnittstellen zwischen westlicher und östlicher Psychologie

Fortgeschrittenen, die sich noch nicht mit den sechs Daseinsbereichen bzw. mit den sogenannten Bardozuständen beschäftigt haben, empfehle ich diese kurze Einführung in das Thema Bardos und zur Vertiefung das Buch von Chögyam Trungpa Die Insel des Jetzt im Strom der Zeit.

Im Buddhismus unterscheidet man folgende sechs Daseinsbereiche:
  1. Die Welt der Götter
  2. Die Welt der Eifersüchtigen Götter
  3. Die Welt des Menschen
  4. Die Welt der Tiere
  5. Die Welt der Hungrigen Geister
  6. Die Höllenwelt

Chögyam Trungpa - 1939-1987
Sein Buch "Die Insel des Jetzt im Strom der Zeit" ist eine hervorragende Einführung in die Psychologie des Buddhismus. Trungpa zeigt darin, dass die Bardos Bewusstseinszuständen entsprechen, die wir im alltäglichen Leben immer wieder durchlaufen.

Die sechs Daseinsbereiche sind spezifische Grundmuster des Lebens, vor deren Hintergrund wir uns und die Welt in einer typischen Art wahrnehmen. Sie färben gewissermaßen unser Denken, unsere Vorstellungen und Empfindungen, Begierden und Sehnsüchte und bestimmen auf diese Weise auch unser Verhalten.

In jedem dieser Daseinsbereiche gibt es eine Insel, den so genannten Bardo-Zustand. Es handelt sich dabei um den jeweiligen Erfahrungsaugenblick, den Trungpa als Insel in einem Niemandsland bezeichnet. Ein Bardo ist ein Zwischenraum zwischen Vergangenheit und Zukunft, den wir in der Meditation erfahren können. Es ist ein Augenblick der Gipfelerfahrung, die dem erwachten Zustand des Geistes vorausgeht.

Die größten westlichen Entsprechungen der Bardos sehe ich in Robert Musils Möglichkeitssinn sowie in den revolutionären Erkenntnissen der Quantenphysik, denen zufolge es quantenspezifische Schwebezustände gibt, die durch den beobachteten Geist beeinflusst werden können.

Kein Guru kann einem diese Erfahrung vermitteln. Sie stellt sich dann ein, wenn der Praktizierende geduldig, offen und absichtslos meditiert:
"Jedes Anlehnen, an wen oder was auch immer, führt zu nichts. Wichtig ist die eigene, persönliche Intuition, die Arbeit an sich selbst."
Chögyam Trungpa, Die Insel des Jetzt im Strom der Zeit

In diesem Sinne möchte ich die sechs Stufen der Meditation verstanden wissen, nicht als Anleitung, sondern als Möglichkeit der Selbstorientierung.

Sechs Stufen der Meditation

  1. Selbstbeobachtung
  2. Selbsterfahrung
  3. Selbstintegration
  4. Selbsttranszendenz
  5. Selbstauflösung
  6. Nichtdualität - Leere - Tao - Nirvana

 

1. Selbstbeobachtung

In aufrechter Haltung und mit wachem Geist beginnen wir mit der Selbstbeobachtung . Wir lenken unsere Aufmerksamkeit auf den Fluss des Atems. Ohne jegliche bewusste Steuerung beobachten wir ganz einfach, wie wir ein- und ausatmen. Dabei registrieren wir, dass unentwegt Gedanken in uns aufkommen, die unsere Aufmerksamkeit in Anspruch nehmen und von der Beobachtung des Atmens ablenken.

Nun beobachten wir diese Gedanken: wie sie entstehen, ihren Verlauf nehmen und sich schließlich auflösen, um neuen Gedanken Platz zu machen. Besonders am Anfang unserer Meditationspraxis verlassen wir immer wieder unsere beobachtende Haltung und gehen ganz in den Gedanken auf. Irgendwann merken wir das und begeben uns wieder in die Beobachterrolle. Manchmal haben wir starke körperliche Gefühle wie Schmerz- und Lustempfindungen, die unsere Aufmerksamkeit ablenken. Wir werden uns dieser Gefühle bewusst und beobachten sie einfach, ohne sie verändern zu wollen.

2. Selbsterfahrung

Sind wir nach ausreichender Übung in der Lage, die Beobachterposition weitgehend aufrecht zu erhalten, befinden wir uns in einem kontinuierlichen Prozess der Selbsterfahrung. Wir nehmen bewusst wahr, wie wir atmen und was wir denken und fühlen. Dabei werden wir mit Gedanken und Gefühlen konfrontiert, die zum ersten Mal in uns die Schwelle zum Bewusstsein durchbrechen. Unser persönliches Unbewusstes nutzt die offene Haltung, die wir in der Meditation einnehmen, um verdrängtes Material an die Oberfläche zu befördern.

Hier handelt es sich überwiegend um verdrängte Sorgen und Ängste sowie um bisher unbewusste Wünsche und vielversprechende Ideen. Anfänger, die ohne einen erfahrenen Begleiter meditieren, kapitulieren meist an dieser Stelle. Sie hatten erwartet, dass die Meditation sie beruhigt, und nun geschieht das Gegenteil: Man ist aufgewühlt, gestresst, verunsichert. Wer hier durchhält, wird erleben, dass diese Phase nur von kurzer Dauer ist. Die einst gefangenen Flaschengeister verflüchtigen sich, wenn der Korken regelmäßig vom Flaschenhals entfernt wird. Man ist seine Ängste und Sorgen, Wünsche und Ideen nicht los, aber sie verlieren mehr und mehr an Macht über uns.

In dieser Phase der Meditationspraxis erfahren wir also, dass unser Selbst viel mehr beinhaltet, als wir bisher dachten. Wir werden uns unserer dunklen Seite, das heißt unseres Schattens (C.G. Jung) bewusst, was schmerzhaft und irritierend sein kann und sogar eine persönliche Krise auslösen kann. In diesem Fall sollte man sich an einen erfahrenen Meditationslehrer oder Therapeuten wenden, der dabei hilft, die Krise positiv zu bewältigen.

C.G. Jung  
Carl Gustav, meist C.G. Jung, 1875-1961
Der Schweizer Psychologe und Philosoph war ein Schüler Freuds, bis es 1913 zum Bruch kam. Auf dem Gruppenbild ist Jung unten rechts zu sehen und Freud unten links.

Jung entwickelte seine eigene Analytische Psychologie, die sich von Freuds "Pansexualismus" löste und das Seelenleben als ein ganzheitliches dynamisches System begriff.
Eine seiner größten Pionierleistungen war die Entdeckung des kollektiven Unbewussten, einer allen Menschen gemeinsamen überpersönlichen Schicht des Unbewussten, deren Strukturen, die er als Archetypen bezeichnet, universell sind, und die das Erleben und Verhalten der Menschen beeinflussen.

Jung sieht die wesentliche Lebensaufgabe des Menschen in seiner Individuation. Die Traumarbeit, wie ich sie in meiner Kölner Praxis durchführe, basiert in wesentlichen Punkten auf dem Jungschen Modell in Kombination mit dem fernöstlichen Ansatz der Nichtidentifikation. Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie unter Traumdeutung und Individuation.

3. Selbstintegration



Transparenter Schatten
Wenn wir unseren Schatten nicht kennen,
erleben wir dessen Wirkungen als eine äußere Kraft und projizieren die unbewussten Teile unseres Selbst nach außen.



Nun befinden wir uns auf der Stufe der Selbstintegration. Die wesentlichen Elemente des Selbst, die uns im Prozess der Selbsterfahrung erstmals bewusst geworden sind, besonders der Schatten, zu dem auch all unsere noch nicht gelebten Lichtseiten gehören, müssen integriert werden, damit wir eine neue lebensfähige Persönlichkeitsstruktur entwickeln können.

In dieser Phase werden wir uns unserer Projektionen bewusst, das heißt der Tatsache, dass wir unsere verdrängten Bewusstseinsinhalte oder Persönlichkeitsanteile auf andere Menschen projiziert haben und zwar in Form von Idealisierungen und Verteufelungen. Wir erkennen, wie wir andere Menschen mit Eigenschaften etikettiert haben, die in Wirklichkeit unsere eigenen, bis dahin unbewussten oder verdrängten, sind. Damit bürden wir uns einerseits eine große Verantwortung auf, weil wir niemanden mehr für unser Schicksal verantwortlich machen können, andererseits gewinnen wir an persönlicher Freiheit, insofern wir vom Wohl- und Übelwollen der anderen unabhängiger werden.

Unsere Meditationspraxis ist jetzt nicht mehr beschränkt auf die Zeit des "Sitzens", sondern erstreckt sich auf alle Prozesse unseres Lebens. Die damit einhergehende Erweiterung unserer Persönlichkeitsstruktur sowie unseres Selbstbildes beinhaltet auch eine Veränderung unserer Wertvorstellungen und Handlungsstrategien. Gelingt der Prozess der Selbstintegration, dann sind wir im Idealfall in der Lage, uns selbst so zu sehen, wie wir sind. Erst jetzt können wir auch anderen Menschen gegenüber ein tiefes Mitgefühl und Einfühlungsvermögen entwickeln.

Haben wir unseren Schatten erfolgreich integriert, taucht immer weniger Material aus unserem persönlichen Unbewussten auf. Wir kreisen jetzt nicht mehr permanent um unser Ego, sondern sind in der Lage, reines Gewahrsein zu praktizieren, das heißt die Wirklichkeit annähernd so zu sehen, wie sie ist, ohne verzerrende Vorlieben und Abneigungen, ohne Kategorisierungen und Etikettierungen. Diese veränderte Form der Wahrnehmung ist nicht zu verwechseln mit einer objektiven Betrachtung der Dinge, denn diese ist schon deshalb unmöglich, weil jedes Subjekt nur durch das Objektiv der je individuellen Subjektivität wahrnehmen kann.



4. Selbsttranszendenz

In dieser Phase der Meditationspraxis macht das Selbst die Erfahrung, dass es sich durch nichts von seinen Bewusstseinsinhalten unterscheidet. In dem Augenblick, wo es sich selbst beobachtet, ist es bereits Gegenstand seines Bewusstseins. Alles was existiert - einschließlich dem Selbst - ist Teil eines Bewusstseinsstroms, der weder räumlich noch zeitlich begrenzt ist. Wenn wir diesen Bewusstseinsstrom in Form von Gedanken, Vorstellungen und sinnlichen Empfindungen wahrnehmen, sind wir nicht mehr und nicht weniger als dieser Bewusstseinsstrom selbst. Nehmen wir keinen solchen wahr, existieren wir nicht. Wird uns dies bewusst, befinden wir uns im Zustand der Selbsttranszendenz.

Unser Selbst hat jetzt keine festen Grenzen mehr. Es erfährt sich als integraler Bestandteil des universellen Bewusstseinsstroms. Innen und Außen existieren nicht mehr, ebenso wenig wie Vergangenheit und Zukunft. Die Begrenzungen durch Raum und Zeit sind aufgehoben. Das Selbst erfährt sich in jedem Augenblick als absoluter, unbegrenzter Raum und absolute, unbegrenzte Zeit.

5. Selbstauflösung

Noch hält das Selbst aber daran fest, dass es ein Selbst gibt, das diese Erfahrungen macht. Bevor es die Schwelle zum Nichtdualen überschreiten kann, muss es noch einen letzten, entscheidenden Schritt tun. Es muss sich mit seiner eigenen Nichtexistenz abfinden, das heißt, dem Tod ins Auge blicken.

Auf dieser Stufe der Meditationspraxis kennt das Selbst keine begrenzten Bewusstseinsinhalte mehr, mit denen es sich identifizieren könnte. Das vergängliche Selbst, das Atman, hat sich im Absoluten, dem Brahman, aufgelöst.

Die Selbstauflösung beinhaltet den Verlust jeglicher begrenzter Identität, aber auch den Gewinn der absoluten Identität in der umgreifenden Sphäre des Nichtdualen. Der Zen-Meister Shido Bunan bringt dies anschaulich auf den Punkt:

Stirb, während du lebst, und sei vollkommen tot.
Dann tue, was immer du willst - alles ist gut
.

zit. nach: Zenkai Shibayama, Eine Blume lehrt ohne Worte, Scherz Verlag, Bern, 1989, S. 42

6. Nichtdualität

Da das "Ich" als isoliertes Subjekt nicht existent ist, ist es als solches auch nicht vergänglich, also ewig. Der physische Tod kann dieses Selbst nicht vernichten. Er ist selber nur ein Bardo-Zustand zwischen zwei Gestalten ein und desselben Selbst.

Mystiker haben zu allen Zeiten versucht, die Nichtdualität mit Worten zu beschreiben. Heute bemüht sich vor allem die Quantenphysik dem Geheimnis des Urgrunds allen Seins auf die Spur zu kommen mit Begriffen wie "implizite Ordnung", "Multiversum" usw. Auffällig ist hier die Parallele zwischen Bohms Begriff "superimplizite Ordnung" und Laotses Formulierung "des Geheimnisses noch tieferes Geheimnis".

Die philosophischen Implikationen der Quantentheorie übersteigen das Denk- und Vorstellungsvermögen der meisten unserer Zeitgenossen. Doch bereits die ersten Worte des Tao te king - das Laotse vor mehr als 2500 Jahren schrieb - , lassen erahnen, dass der Weise aus dem fernen Osten damals bereits intuitiv wusste, was die theoretische Physik unserer Zeit wissenschaftlich nachzuweisen imstande ist: Die untrennbare Einheit von allem.


Laotse auf Büffel
Laotse
chinesischer Philosoph und Begründer des Taoismus

Seine genauen Lebensdaten sind unbekannt. Wahrscheinlich lebte er im 6. Jahrhundert v. Chr.
Die Abbildung zeigt ihn auf einem Wasserbüffel reitend, mit dem er der Sage nach für immer im westlichen Gebirge verschwunden sein soll.
Kapitel 1 aus dem Tao te king:

Das aussagbare Tao
ist nicht das ewige Tao.
Der nennbare Name
ist nicht der ewige Name.

Das Namenlose
ist der Anfang von Himmel und Erde.
Das Namen-Habende
ist die Mutter der abertausend Wesen.

Darum:
Beständiges Nichtbegehren
schaut das Geheimste. Beständiges Begehren
schaut nur das Begrenzte.

Diese beiden sind desselben Ursprungs
und nur durch Namen verschieden.


In ihrem Ineinssein sind sie ein Geheimnis.
Des Geheimnisses noch tieferes Geheimnis
ist aller Geheimnisse Pforte.


Laotse, Tao te king, Neu übertragen von Zensho W. Kopp, Schirner Verlag, Darmstadt, 2005, Kap.1

 

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