- Meditation stärkt das Immunsystem und vermindert die Anfälligkeit für Krankheiten.
- Das Risiko von Herzinfarkten und Schlaganfällen wird deutlich reduziert.
- Meditation hilft, Ängste abzubauen und Depressionen vorzubeugen.
- Der physiologische und mentale Alterungsprozess verlangsamt sich.
- Fast alle Praktizierenden berichten von einer Steigerung des allgemeinen Wohlbefindens.
- Wer meditiert wird innerlich ruhiger und gelassener.
- Das Bedürfnis nach schädlichen Gewohnheiten und Suchtverhalten nimmt ab.
- Das vermehrte Auftreten von mit Tiefenentspannung einhergehenden Gehirnwellen (Alphawellen) erklärt die entspannende und stressmindernde Wirkung der Meditation.
- Meditation fördert die Kreativität und intuitive Intelligenz.
- Sie vertieft die Selbstwahrnehmung und steigert die Kommunikationskompetenz, indem sie ein fließendes Gewahrsein der eigenen Gedanken und Vorstellungen sowie der körperlichen und seelischen Empfindungen ermöglicht.
- Meditation ist ein hilfreiches Element der Individuation.
- Sie führt auf Dauer unwillkürlich zur Überwindung dualistischer Denk- und Verhaltensmuster und stärkt auf diese Weise das Selbst- und Urvertrauen.
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| Meditation bringt uns in Berührung mit dem, "was die Welt im Innersten zusammenhält". (Goethe) |
Angesichts der enormen Vorteile, die das Meditieren bietet, stellt sich die Frage, warum nur relativ wenige Menschen meditieren, und warum fast jeder Zweite die Meditationspraxis bereits nach kurzer Zeit beendet, wie verschiedene Untersuchungen belegen (zum Beispiel eine Studie der Universität Potsdam aus dem Jahr 2004).
Den Hauptgrund für die niedrige Meditationsquote und die hohe Abbruchrate sehe ich darin, dass Meditation die Bereitschaft erfordert, die Wirklichkeit so zu sehen, wie sie ist. Wie unbefriedigend das eigene Leben auch empfunden werden mag, die meisten Menschen halten lieber daran fest, als das Risiko einer grundlegenden Veränderung einzugehen. Wer aber regelmäßig meditiert, muss damit rechnen, dass sich sein Selbst- und Weltbild grundlegend wandeln wird. Das alte hyperreflektierende Selbst wird allmählich durch ein präsentes Selbst ersetzt, da der leere Raum, den wir uns in der Meditation zur Verfügung stellen, sukzessive all unsere Ego-Konzepte schluckt. Bei vielen Meditierenden löst das eine Angst vor der Leere (horror vacui) aus, was sie dazu veranlasst, gar nicht erst mit dem Meditieren anzufangen, oder es schnell wieder aufzugeben.
Ob Du richtig meditierst oder nicht, kannst Du am besten daran messen, inwieweit die oben beschriebenen positiven Wirkungen sich einstellen. Anfänger begehen häufig den Kardinalfehler, durch Meditation bestimmte Ziele erzwingen zu wollen. Meditation ist jedoch das Gegenteil von Wille und Zwang. Es geht zunächst darum, ebenso entschlossen wie absichtslos einfach nur wahrzunehmen, was geschieht.
Tauchen während dieser frei schwebenden Achtsamkeit Einsichten und Handlungsimpulse auf, kann es besonders für Anfänger sinnvoll sein, diese nach einer Meditation stichpunktartig festzuhalten. Es wäre aber wiederum ein Fehler, die neu gewonnenen Einsichten mit der Brechstange in Handlungen umsetzen zu wollen. Stattdessen sollte man die meditative Haltung im Sitzen immer mehr auf den gewöhnlichen Alltag ausdehnen und einfach nur beobachten, wie aus neuer Wahrnehmung neue Wirklichkeit wird. Je weniger egobezogen wir wahrnehmen, desto mehr erschließt sich uns, was die Welt im Innersten zusammenhält, wie Goethe es formuliert hat.
Diese Art des In-der-Welt-Seins wird im Taoismus seit Laotse als Wu wei bezeichnet. Es handelt sich um die fundamentale Einsicht, dass es ein universelles Wirkprinzip (Tao) gibt, das uns in allem begleitet und prägt, was wir tun oder unterlassen. Die großen Meditationsexperten aller Zeiten, besonders die Zen-Buddhisten, erklären übereinstimmend, dass wer regelmäßig wach und zwanglos meditiert, früher oder später zu dem Punkt kommt, wo er hinter den dualistischen Fassaden der phänomenalen Welt die Einheit von allem entdeckt. Diese Erfahrung wird als Erwachen, Erleuchtung, Satori usw. bezeichnet.
Dieser transzendente Aspekt der Meditation ist vielen westlichen Menschen fremd oder gar unheimlich. Sie haben meist nur die weltlichen Vorteile des Meditierens im Auge, was am Anfang auch überhaupt kein Problem darstellt. Wer aber ernsthaft meditiert, wird sich auf Dauer der transzendenten Ebene nicht verschließen können, es sei denn, er blockt diese bewusst ab. Dann aber gerät der gesamte Meditationsprozess ins Stocken, da alles Zwanghafte den freien Energiefluss auf der physischen wie auf der mentalen Ebene blockiert.
Wer mit dem Meditieren beginnt, sollte wissen, worauf er sich einlässt, denn Meditation bedeutet eine kopernikanische Wende bezüglich des In-der-Welt-Seins. Uns wird allmählich oder blitzartig bewusst, dass es im Universum keine Grenzen gibt, außer denen, die unser dualistisches Denken selbst gezogen hat.
Jeder der meditiert, macht seine eigenen unvergleichlichen Erfahrungen, und doch lassen sich gewisse allgemeine Entwicklungsphasen beobachten, die während eines jahrelangen Meditationsprozesses gewöhnlich durchlaufen werden. Um vor allem Anfängern eine Orientierungsmöglichkeit zu bieten, beschreibe ich weiter unten sechs Stufen der Meditation, so wie ich sie bei mir selbst und bei zahlreichen Klienten wahrgenommen habe, deren Meditationsprozess ich begleiten durfte.
Meditation findet nicht im luftleeren Raum statt. Sie sollte den zivilisatorischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen angepasst sein. Für westliche Menschen ist es besonders wichtig, die persönlichen Lebensumstände so weit wie möglich zu vereinfachen und die aus der Meditation gewonnene Kraft gleichermaßen geschickt für das eigene Leben einzusetzen wie für alle übrigen Lebewesen. Nur so kann man in einem materialistisch verseuchten Umfeld körperlich und seelisch gesund bleiben.
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| Müssen wir im Westen ... |
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| ... anders mit Meditation umgehen, als im Osten? |
Wer noch wenig Meditationserfahrung hat, dem empfehle ich, den folgenden Abschnitt über Bardos zu überspringen und weiter unten mit den sechs Stufen der Meditation fortzufahren.
Fortgeschrittenen, die sich noch nicht mit den sechs Daseinsbereichen bzw. mit den sogenannten Bardozuständen beschäftigt haben, empfehle ich diese kurze Einführung in das Thema Bardos und zur Vertiefung das Buch von Chögyam Trungpa Die Insel des Jetzt im Strom der Zeit.
Im Buddhismus unterscheidet man folgende sechs Daseinsbereiche:
- Die Welt der Götter
- Die Welt der Eifersüchtigen Götter
- Die Welt des Menschen
- Die Welt der Tiere
- Die Welt der Hungrigen Geister
- Die Höllenwelt
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| Chögyam Trungpa (1939-1987) Chögyam Trungpa Rinpoche wurde in einem Kuhstall im Osten Tibets geboren und gilt als Reinkarnation des 10. Trungpa Tulku. Nach seiner Flucht aus Tibet im Jahre 1959 gründete er im Westen verschiedene Meditationszentren, in denen er sein eigenes nicht-religiöses System von Meditationsunterricht (Shambalatraining) lehrte. Sein Buch Die Insel des Jetzt im Strom der Zeit ist eine hervorragende Einführung in die Psychologie des Buddhismus. Trungpa zeigt darin auf sehr anschauliche Weise, dass die Sechs Bardos Bewusstseinszuständen entsprechen, die wir im alltäglichen Leben immer wieder durchlaufen. |
Die sechs Daseinsbereiche sind spezifische Grundmuster des Lebens, vor deren Hintergrund wir uns und die Welt in einer typischen Art wahrnehmen. Sie färben gewissermaßen unser Denken, unsere Vorstellungen und Empfindungen, Begierden und Sehnsüchte und bestimmen auf diese Weise auch unser Verhalten.
In jedem dieser Daseinsbereiche gibt es eine Insel, den so genannten Bardo-Zustand. Es handelt sich dabei um den jeweiligen Erfahrungsaugenblick, den Trungpa als Insel in einem Niemandsland bezeichnet. Ein Bardo ist ein Zwischenraum zwischen Vergangenheit und Zukunft, den wir in der Meditation erfahren können. Es ist ein Augenblick der Gipfelerfahrung, die dem erwachten Zustand des Geistes vorausgeht.
Kein Guru kann einem diese Erfahrung vermitteln. Sie stellt sich dann ein, wenn der Praktizierende geduldig, offen und absichtslos meditiert:
"Jedes Anlehnen, an wen oder was auch immer, führt zu nichts. Wichtig ist die eigene, persönliche Intuition, die Arbeit an sich selbst"
(Chögyam Trungpa, Die Insel des Jetzt im Strom der Zeit, Fischer Verlag, Frankfurt/M, 1998, S. 202)
In diesem Sinne möchte ich die sechs Stufen der Meditation verstanden wissen, nicht als Anleitung, sondern als Möglichkeit der Selbstorientierung.
Sechs Stufen der Meditation
- Selbstbeobachtung
- Selbsterfahrung
- Selbstintegration
- Selbsttranszendenz
- Selbstauflösung
- Nichtdualität - Leere - Tao - Nirvana
1. Selbstbeobachtung
In aufrechter Haltung und mit wachem Geist beginnen wir mit der Selbstbeobachtung . Wir lenken unsere Aufmerksamkeit auf den Fluss des Atems. Ohne jegliche bewusste Steuerung beobachten wir ganz einfach, wie wir ein- und ausatmen. Dabei registrieren wir, dass unentwegt Gedanken in uns aufkommen, die unsere Aufmerksamkeit in Anspruch nehmen und von der Beobachtung des Atmens ablenken.
Nun beobachten wir diese Gedanken: wie sie entstehen, ihren Verlauf nehmen und sich schließlich auflösen, um neuen Gedanken Platz zu machen. Besonders am Anfang unserer Meditationspraxis verlassen wir immer wieder unsere beobachtende Haltung und gehen ganz in den Gedanken auf. Irgendwann merken wir das und begeben uns wieder in die Beobachterrolle. Manchmal haben wir starke körperliche Gefühle wie Schmerz- und Lustempfindungen, die unsere Aufmerksamkeit ablenken. Wir werden uns dieser Gefühle bewusst und beobachten sie einfach, ohne sie verändern zu wollen.
2. Selbsterfahrung
Sind wir nach ausreichender Übung in der Lage, die Beobachterposition weitgehend aufrecht zu erhalten, befinden wir uns in einem kontinuierlichen Prozess der Selbsterfahrung. Wir nehmen bewusst wahr, wie wir atmen und was wir denken und fühlen. Dabei werden wir mit Gedanken und Gefühlen konfrontiert, die zum ersten Mal in uns die Schwelle zum Bewusstsein durchbrechen. Unser persönliches Unbewusstes nutzt die offene Haltung, die wir in der Meditation einnehmen, um verdrängtes Material an die Oberfläche zu befördern.
Hier handelt es sich überwiegend um verdrängte Sorgen und Ängste sowie um bisher unbewusste Wünsche und vielversprechende Ideen. Anfänger, die ohne einen erfahrenen Begleiter meditieren, kapitulieren meist an dieser Stelle. Sie hatten erwartet, dass die Meditation sie beruhigt, und nun geschieht das Gegenteil: Man ist aufgewühlt, gestresst, verunsichert. Wer hier durchhält, wird erleben, dass diese Phase nur von kurzer Dauer ist. Die einst gefangenen Flaschengeister verflüchtigen sich, wenn der Korken regelmäßig vom Flaschenhals entfernt wird. Man ist seine Ängste und Sorgen, Wünsche und Ideen nicht los, aber sie verlieren mehr und mehr an Macht über uns.
In dieser Phase der Meditationspraxis erfahren wir also, dass unser Selbst viel mehr beinhaltet, als wir bisher dachten. Wir werden uns unserer dunklen Seite, das heißt unseres Schattens (C.G. Jung) bewusst, was schmerzhaft und irritierend sein kann und sogar eine persönliche Krise auslösen kann. In diesem Fall sollte man sich an einen erfahrenen Meditationslehrer oder Therapeuten wenden, der dabei hilft, die Krise positiv zu bewältigen.
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Carl Gustav (C.G.) Jung (1875-1961) Der Schweizer Psychologe und Philosoph war ein Schüler Freuds, bis es 1913 zum Bruch kam. Jung entwickelte seine eigene Analytische Psychologie, die sich von Freuds "Pansexualismus" löste und das Seelenleben als ein ganzheitliches dynamisches System begriff. Eine seiner größten Pionierleistungen war die Entdeckung des kollektiven Unbewussten, einer allen Menschen gemeinsamen überpersönlichen Schicht des Unbewussten, deren Strukturen (Archetypen) universell sind, und das Erleben und Verhalten der Menschen beeinflussen. Jung sieht die wesentliche Lebensaufgabe des Menschen in seiner Individuation. ( siehe auch Traumdeutung und Individuation) |
3. Selbstintegration
Nun befinden wir uns auf der Stufe der Selbstintegration. Die wesentlichen Elemente des Selbst, die uns im Prozess der Selbsterfahrung erstmals bewusst geworden sind (besonders der Schatten, zu dem auch all unsere noch nicht gelebten Lichtseiten gehören), müssen integriert werden, damit wir eine neue lebensfähige Persönlichkeitsstruktur entwickeln können.
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| Wenn wir unseren Schatten nicht kennen, erleben wir dessen Wirkungen als eine äußere Kraft und projizieren die unbewussten Teile unseres Selbst nach außen. |
In dieser Phase werden wir uns unserer Projektionen bewusst, das heißt der Tatsache, dass wir unsere verdrängten Bewusstseinsinhalte oder Persönlichkeitsanteile auf andere Menschen projiziert haben und zwar in Form von Idealisierungen und Verteufelungen. Wir erkennen, wie wir andere Menschen mit Eigenschaften etikettiert haben, die in Wirklichkeit unsere eigenen (bis dahin unbewussten oder verdrängten) sind. Damit bürden wir uns einerseits eine große Verantwortung auf, weil wir niemanden mehr für unser Schicksal verantwortlich machen können, andererseits gewinnen wir an persönlicher Freiheit, insofern wir vom Wohl- und Übelwollen der anderen unabhängiger werden.
Unsere Meditationspraxis ist jetzt nicht mehr beschränkt auf die Zeit des "Sitzens", sondern erstreckt sich auf alle Prozesse unseres Lebens. Die damit einhergehende Erweiterung unserer Persönlichkeitsstruktur sowie unseres Selbstbildes beinhaltet auch eine Veränderung unserer Wertvorstellungen und Handlungsstrategien. Gelingt der Prozess der Selbstintegration, dann sind wir in der Lage, uns selbst so zu sehen, wie wir sind. Erst jetzt können wir auch anderen Menschen gegenüber ein tiefes Mitgefühl und Einfühlungsvermögen entwickeln.
Haben wir unseren Schatten erfolgreich integriert, taucht immer weniger Material aus unserem persönlichen Unbewussten auf. Wir kreisen jetzt nicht mehr permanent um unser Ego, sondern sind in der Lage, reines Gewahrsein zu praktizieren, das heißt die Wirklichkeit so zu sehen, wie sie ist, ohne verzerrende Vorlieben und Abneigungen, ohne Kategorisierungen und Etikettierungen.
4. Selbsttranszendenz
In dieser Phase der Meditationspraxis macht das Selbst die Erfahrung, dass es sich durch nichts von seinen Bewusstseinsinhalten unterscheidet. In dem Augenblick, wo es sich selbst beobachtet, ist es bereits Gegenstand seines Bewusstseins. Alles was existiert (also auch das Selbst) ist Teil eines Bewusstseinsstroms, der weder räumlich noch zeitlich begrenzt ist. Wenn wir diesen Bewusstseinsstrom in Form von Gedanken, Vorstellungen und sinnlichen Empfindungen wahrnehmen, sind wir nicht mehr und nicht weniger als dieser Bewusstseinsstrom selbst. Nehmen wir keinen solchen wahr, existieren wir nicht. Wird uns dies bewusst, befinden wir uns im Zustand der Selbsttranszendenz.
Unser Selbst hat jetzt keine festen Grenzen mehr. Es erfährt sich als integraler Bestandteil des universellen Bewusstseinsstroms. Innen und Außen existieren nicht mehr, ebenso wenig wie Vergangenheit und Zukunft. Die Begrenzungen durch Raum und Zeit sind aufgehoben. Das Selbst erfährt sich in jedem Augenblick als absoluter, unbegrenzter Raum und absolute, unbegrenzte Zeit.
5. Selbstauflösung
Noch hält das Selbst aber daran fest, dass es ein Selbst gibt, das diese Erfahrungen macht. Bevor es die Schwelle zum Nichtdualen überschreiten kann, muss es noch einen letzten, entscheidenden Schritt tun. Es muss sich mit seiner eigenen Nichtexistenz abfinden, das heißt, dem Tod ins Auge blicken.
Auf dieser Stufe der Meditationspraxis kennt das Selbst keine begrenzten Bewusstseinsinhalte mehr, mit denen es sich identifizieren könnte. Das vergängliche Selbst (Atman) hat sich im Absoluten (Brahman) aufgelöst.
Die Selbstauflösung beinhaltet den Verlust jeglicher begrenzter Identität, aber auch den Gewinn der absoluten Identität in der umgreifenden Sphäre des Nichtdualen. Der Zen-Meister Shido Bunan bringt dies anschaulich auf den Punkt:
Stirb, während du lebst, und sei vollkommen tot.
Dann tue, was immer du willst - alles ist gut.
zit. nach: Zenkai Shibayama, Eine Blume lehrt ohne Worte, Scherz Verlag, Bern, 1989, S. 42
6. Nichtdualität
Da das "Ich" als isoliertes Subjekt nicht existent ist, ist es als solches auch nicht vergänglich, also ewig. Der physische Tod kann dieses Selbst nicht vernichten. Er ist selber nur ein Bardo-Zustand zwischen zwei Gestalten ein und desselben Selbst.
Mystiker haben zu allen Zeiten versucht, die Nichtdualität mit Worten zu beschreiben. Heute bemüht sich vor allem die Quantenphysik dem Geheimnis des Urgrunds allen Seins auf die Spur zu kommen mit Begriffen wie "implizite Ordnung" (man beachte die Parallele zwischen Bohms Begriff "superimplizite Ordnung" und Laotses Formulierung "des Geheimnisses noch tieferes Geheimnis"), "Multiversum" usw.
Die philosophischen Implikationen der Quantentheorie übersteigen das Denk- und Vorstellungsvermögen der meisten unserer Zeitgenossen. Doch bereits die ersten Worte des Tao te king - das Laotse vor mehr als 2500 Jahren schrieb - , lassen erahnen, dass der Weise aus dem fernen Osten damals bereits intuitiv wusste, was die theoretische Physik unserer Zeit wissenschaftlich nachzuweisen imstande ist: Die untrennbare Einheit von allem.
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| Laotse chinesischer Philosoph und Begründer des Taoismus Seine genauen Lebensdaten sind unbekannt. Wahrscheinlich lebte er im 6. Jahrhundert v. Chr. Die Abbildung zeigt ihn auf einem Wasserbüffel reitend, mit dem er der Sage nach für immer im westlichen Gebirge verschwunden sein soll. |
Kapitel 1 aus dem Tao te king:
Das aussagbare Tao
ist nicht das ewige Tao.
Der nennbare Name
ist nicht der ewige Name.
Das Namenlose
ist der Anfang von Himmel und Erde.
Das Namen-Habende
ist die Mutter der abertausend Wesen.
Darum:
Beständiges Nichtbegehren
schaut das Geheimste. Beständiges Begehren
schaut nur das Begrenzte.
Diese beiden sind desselben Ursprungs
und nur durch Namen verschieden.
In ihrem Ineinssein sind sie ein Geheimnis.
Des Geheimnisses noch tieferes Geheimnis
ist aller Geheimnisse Pforte.
(Laotse, Tao te king, Neu übertragen von Zensho W. Kopp, Schirner Verlag, Darmstadt, 2005, Kap.1)
Ich habe weiter oben bereits davor gewarnt, die sechs Stufen als Anleitung zur Meditation misszuverstehen. Sie sind lediglich mögliche Entwicklungsphasen, die sich im Laufe eines langen Meditationsprozesses ergeben können. Je mehr man sie anstrebt und erwartet, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass man beim Meditieren keinen Schritt vorankommt. Meditation ist das Gegenteil von Etwas-erreichen-wollen. Wer das begriffen hat, und nichts mehr erreichen will, dem wird das Tao reichen, was er wirklich braucht.
Falls Du Dir etwas mehr Gelassenheit im Umgang mit dem Meditieren wünschst, kann vielleicht die folgende Anekdote dazu beitragen, die zeigt, dass Ernsthaftigkeit und Humor Geschwister sind.Milarepa, der im folgenden zitiert wird, wusste sehr wohl, dass seine Meditationssitzungen nicht sinnlos waren. Er war sich jedoch ebenso darüber im klaren, dass der Fragesteller nie würde verstehen können, was Meditation für einen Yogi bedeutet. So spiegelt er dem Fragesteller auf humorvolle Weise dessen materialistisches Weltverständnis:
"Von Milarepa, Tibets großem Yogi, wird berichtet, dass er einst auf die Frage, was denn das viele Sitzen in Meditation ihm gebracht hätte, sich umdrehte, seinen Rock hob und seinen Hintern zeigte. Der war vom vielen Sitzen ledern und schrumpelig geworden."
Marcel Geisser, Die Buddhas der Zukunft, Kösel Verlag, München, 2003, S. 99
| >> Psychotherapie und Meditation |
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