Aus der Antike kennen wir das berühmte Orakel von Delphi mit der Priesterin Pythia, die im Zustand der Trance direkten Kontakt zu Apollo gehabt haben soll, und dessen Informationen sie in Form von Orakelsprüchen an die Ratsuchenden übermittelte.
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| Das Orakel von Delphi wurde 548 v. Chr. zum dritten Mal aufgebaut, nachdem es zuvor durch Brand zerstört worden war. In der berühmtesten griechischen Orakelstätte soll die Priesterin Pythia in Trance auf einem Dreifuß sitzend ihre Orakel verkündet haben. Inspiriert wurde sie dabei von Apollo. |
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| Pythia bei der Orakelverkündung Ihr Name stammt von Python, dem Drachen, den Apollo getötet haben soll. Die letzte Auskunft soll sie im Jahre 382 v. Chr. erteilt haben. |
Sokrates bevorzugte das einfache Hören auf die Innere Stimme, dem Daimonion, auf das wir uns seiner Überzeugung nach immer verlassen können.
Woran aber können wir erkennen, dass es sich wirklich um unsere Innere Stimme handelt und nicht um Einflüsterungen eines Dämonen, der uns in die Irre führen möchte? Die Angst davor hält die meisten Menschen davon ab, sich einer wie auch immer gearteten höheren Führung anzuvertrauen.
Ich habe keinen Zweifel daran, dass diese Angst unbegründet ist. Wenn wir einem Orakelsystem eine klare Frage stellen, erhalten wir immer eine ebenso klare und richtige Antwort.
Der Grund dafür liegt in dem von C.G. Jung so bezeichneten Synchronizitätsprinzip, dem akausalen aber sinnfälligen Zusammentreffen von Ereignissen. Es handelt sich um "eine psychisch bedingte Relativität von Zeit und Raum" (Jung).
Ein von Jung gern zitiertes Beispiel für Synchronizität ist die Geschichte von Deschamps und Fontgibu:
"Ein M. Deschamps erhielt als Knabe einmal in Orléans ein Stückchen Plumpudding von einem M. de Fontgibu. Zehn Jahre später entdeckte er in einem Pariser Restaurant wieder einen Plumpudding und verlangte ein Stück davon. Es erwies sich aber, dass der Pudding bereits bestellt war und zwar von einem M. de Fontgibu. Viele Jahre später wurde M. Deschamps zu einem Plumpudding als einer besonderen Rarität eingeladen. Beim Essen machte er die Bemerkung, jetzt fehle nur noch M. de Fontgibu. In diesem Moment öffnete sich die Türe, und ein uralter, desorientierter Greis trat herein: M. de Fontgibu, der sich in der Adresse geirrt hatte und fälschlicherweise in diese Gesellschaft geraten war."
(C.G. Jung. Synchronizität, Akausalität und Okkultismus, dtv Verlag, München, 1990, S. 19)
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| Eine der drei Magierkarten aus dem Crowley Tarot |
Meist tun wir sie als Kuriosität ab und verzichten darauf, nach einer plausiblen Erklärung dafür zu suchen. Ähnliches gilt für das Befragen eines Orakelsystems wie etwa Tarot oder I Ging.
Wir wundern uns darüber, dass die Karte bzw. das Hexagramm auf verblüffende Weise zu der gestellten Frage passt, tun dies aber in der Regel als Zufall ab und gehen der Sache nicht weiter nach. In Wirklichkeit ist jedoch beim Befragen eines Orakelsystems das gleiche Prinzip am Werk, nämlich Synchronizität.
Ein Beispiel aus der Antike verdeutlicht, dass Anfänger und Leichtgläubige bei der Deutung eines Orakels leicht in eine Falle tappen können:
Als König Krösus vor seinem Feldzug gegen die Perser das Orakel von Delphi befragte, erhielt er zur Antwort, dass er ein großes Königreich zerstören werde, wenn er den Fluss Halys überquere. Blind vor Siegeseifer ignorierte er weitere Botschaften des Orakels und musste schließlich die bittere Erfahrung machen, dass sein eigenes Königreich gemeint war.
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Krösus 596-546 v. Chr. Nach der Eroberung riesiger kleinasiatischer Gebiete wurde Krösus durch Kriegsbeute und Tributzahlungen unermesslich reich. Darüber hinaus verfügte er noch über große Goldvorkommen im eigenen Land. Als letzter König von Lydien führte er Krieg gegen den persischen Großkönig Kyros. Vor dem Feldzug ließ er das Orakel von Delphi befragen, deutete jedoch die pythische Botschaft falsch. Er unterlag in der Schlacht, wurde gefangen genommen und später von Kyros als Vasall eingesetzt. |
Orakelsysteme sind dann und nur dann hilfreich, wenn wir nichtanhaftend, das heißt, unseren eigenen Willen aufgebend, uns für ihre unbegrenzten und tiefsinnigen Weisheiten öffnen. Ich habe unzählige Male erlebt, wie Menschen in schwierigen Lebenssituationen durch Befragung des Tarot oder I Ging eine Orientierung gefunden haben, die sie mit rationalen Mitteln nicht erreichen konnten.
Allerdings sind mir in meiner Praxis auch Ratsuchende begegnet, die unter einer Orakelmanie litten, die sich darin äußert, dass man fast täglich belanglose Fragen stellt und weder in der Lage ist, das Orakel richtig zu deuten, noch die entsprechenden Konsequenzen daraus zu ziehen.
Ein solcher Umgang mit Orakeln ist äußerst bedenklich, weil man sie nur dazu benutzt, um sich vor der eigenen Verantwortung zu drücken. Das Resultat ist dann stets mehr Verwirrung und weniger Klarheit.
Wer im Fluss mit dem Tao lebt, braucht keine Orakel, da das Tao alles umfasst und somit auch die Orakel beinhaltet. Aber wer kann schon von sich behaupten, immer im Einklang mit dem Tao zu leben?
Selbst eine so gestandene Persönlichkeit wie C.G. Jung war vom "Buch der Wandlungen", wie das I Ging auch genannt wird, fasziniert und hat es bei wichtigen Entscheidungen seines Lebens befragt.
Und schon vor über 2500 Jahren soll Konfuzius gesagt haben, dass er, hätte er noch ein weiteres Leben zur Verfügung, er es zur Gänze dem I Ging widmen würde.
Ausführliche Informationen zum Thema I Ging findet Ihr auf der folgenden Seite: I Ging - Spiegel des Tao.
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Die Grafik zeigt eines der 64 I Ging-Zeichen. Es handelt sich um die Nummer 35 Dsin (oder ching) = Der Fortschritt. In der Übersetzung von Richard Wilhelm heißt es dazu: "Das Zeichen stellt die Sonne dar, die über die Erde emporsteigt; es ist daher das Bild des raschen, leichten Fortschritts, der gleichzeitig immer weitere Ausdehnung und Klarheit bedeutet." Jedes Zeichen besteht aus sechs Linien (einem Hexagramm). Eine durchgezogene Linie steht für Yang, eine unterbrochene für Yin. Daraus ergeben sich 64 Kombinationsmöglichkeiten. Zu jedem Zeichen gibt es einen ausführlichen und sehr tiefgründigen Deutungstext. Wenn man das I Ging nicht nur als Partyspaß betreiben möchte (wovon ich dringend abrate), sollte man sich gründlich mit der Philosophie des I Ging beschäftigen, bevor man es als Deutungssystem benutzt. Dann allerdings ist es von unschätzbarem Wert. |
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Konfuzius, chinesischer Philosoph (551-479 v. Chr.) Konfuzius stammt aus einem alten chinesischen Adelsgeschlecht, wuchs aber in bescheidenen Verhältnissen auf. Neben Laotse, dem er einmal begegnet sein soll, war er einer der bedeutendsten Philosophen Chinas. Er forderte vom Staat ein sittliches Handeln, das nicht durch Gesetze sondern durch Riten geregelt sein sollte. Aus seinen Lehren, die überwiegend durch seine Schüler überliefert sind, entwickelte sich später der Konfuzianismus, der unter anderem auf den Prinzipien Yin und Yang basiert. Konfuzius war ein großer Bewunderer des I Ging. |







