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Philosophische Praxis und Spirituelle Praxis

Transpersonale Erfahrungen

Transpersonale Erfahrungen, Stanislav Grof, holotropes Atmen, psychedelische Erfahrungen, Abenteuer der Selbstentdeckung, außergewöhnliche Bewusstseinszustände, Integration transpersonaler Erfahrungen

Transpersonale Erfahrungen können wir zu allen Zeiten unseres Lebens machen. Besonders häufig treten sie auf in der Kindheit, in der spirituellen Krise um die Lebensmitte und im Alter.

Der wohl bedeutendste Vertreter der transpersonalen Psychologie, Stanislav Grof, unterscheidet drei verschiedene transpersonale Dimensionen:
  1. Erweiterung des Erlebens innerhalb der objektiven Realität.
    Dazu zählen unter anderem die Identifikation mit anderen Menschen, Psi-Phänomene, Erinnerungen an frühere Inkarnationen, Nahtoderfahrungen.

  2. Erweiterung des Erlebens über die Grenzen der objektiven Realität hinaus.
    Dazu gehören unter anderem die Begegnung mit universellen Archetypen, mit Gottheiten, tierischen Geistern, Außerirdischen sowie spiritistische Erfahrungen.

  3. Transpersonale Erfahrungen psychoider Natur
    wie z.B. Synchronizitätserlebnisse, Psychokinese, Ufo-Phänomene und Wunderheilung.

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Stanislav Grof (geb. 1931) mit seiner Frau Christina
Stan Grof ist ein Pionier auf dem Gebiet der Erforschung erweiterter Bewusstseinszustände.

Bis 1967 arbeitete er in seiner Geburtsstadt Prag als Mediziner und Psychoanalytiker. Als er im Rahmen eines Forschungsprojekts der Schweizer Firma Sandos den Auftrag bekam, die Möglichkeiten des Einsatzes von LSD in der Psychiatrie zu prüfen, bahnte sich eine revolutionäre Wende in seinem Leben an.
Er nahm zu Forschungszwecken selbst LSD und machte die Entdeckung, dass die halluzinogene Droge bei ihm ähnliche Erfahrungen provozierte, wie er sie bis dahin nur von Patienten kannte, die als psychisch krank galten.
Im Jahre 1967 ging er in die USA, wo er bis heute mit seiner Frau Christina lebt. Dort arbeitete er zunächst mit LSD als therapeutischer Substanz. Als dann der Einsatz von LSD in der Psychiatrie gesetzlich verboten wurde, entwickelte er das so genannte holotrope Atmen, das auch ohne Drogen den Einstieg in außergewöhnliche Bewusstseinszustände ermöglicht.
Aus eigener Erfahrung kann ich diese Methode der Bewusstseinserweiterung empfehlen, allerdings nur für Menschen, die über eine gewisse psychische Stabilität verfügen.



Für die Initiation transpersonaler Erfahrungen benutzt Grof heute das so genannte holotrope Atmen, nachdem die Arbeit mit LSD gesetzlich verboten wurde. Die Teilnehmer geraten durch eine Kombination aus Atemtechnik, Entspannung, sehr lauter und extrem psychoaktiver Musik sowie gezielter Körperarbeit in einen außergewöhnlichen Bewusstseinszustand, in dem sie die Grenzen ihrer individuellen Persönlichkeit überschreiten. Wer sich näher dafür interessiert, dem empfehle ich das sehr lesenswerte Buch Stanislav Grof - Das Abenteuer der Selbstentdeckung.

Stan Grof ist der hochenergetischste Mensch, dem ich je in meinem Leben begegnet bin. Deshalb möchte ich ihn hier ausführlich zu Wort kommen lassen und auf eigene Kommentierungen verzichten.

Die folgenden Zitate aus Stanislav Grof, Das Abenteuer der Selbstentdeckung, Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg, 1999, sprechen für sich. Weitere Zitate  - auch aus anderen Werken - findet Ihr auf der Zitateseite unter dem Autor Stanislav Grof.

"Die Techniken, die das Unbewußte direkt zu aktivieren vermögen, scheinen selektiv das in emotionaler Hinsicht bedeutsamste Material zu verstärken und dessen Bewußtwerdung zu erleichtern. Wie Radarstrahlen tasten sie das gesamte System ab und entdecken das Material mit der stärksten emotionalen Ladung und Bedeutung." (S. 21) Auszug aus einem Erfahrungsbericht über eine psychedelische Sitzung

"Mein Zustand war eigentümlich paradox: ich wurde immer kleiner und kleiner, schrumpfte zu einem absoluten Nichts zusammen, und doch war mir, als wäre ich grenzenlos und dehnte mich ins Grenzenlose aus." (S. 35) Auszug aus einer psychedelischen Selbsterfahrungssitzung von Stan Grof

"Wie mir jetzt bewußt war, rührt der Mangel an Erfüllung im menschlichen Leben daher, daß wir mit dem Geburtstrauma und der Angst vor dem Tod nicht fertig geworden sind. Wir sind nur anatomisch geboren, haben den Geburtsprozeß aber psychisch noch nicht abgeschlossen und verarbeitet [...] Da das Leben zyklisch verläuft und den Tod einschließt, läßt sich der Sinn unmöglich auf der Basis des rationalen Verstandes finden. Man muß die Energie des Lebensflusses in sich verspüren und sich seines Daseins freuen. Dann wird der Sinn des Lebens unmittelbar offenkundig. So kam ich mir nach dieser Erfahrung auch wie ein Surfer vor, der mit großer Freude auf der Welle des Lebens reitet." (S. 43)

"Wenn der Ich-Tod in seiner letzten und vollständigen Form erlebt wird, dann bedeutet er das unwiderrufliche Ende der philosophischen Identifikation mit dem, was Alan Watts als das von "Haut umhüllte Ich" ("skin-encapsulated ego") bezeichnet." (S. 55)

"In den meisten Fällen geht einer transpersonalen Erfahrung eine dramatische Begegnung mit Geburt und Tod voraus." (S. 63)  

"Auf der Grundlage dieser Erörterungen lassen sich transpersonale Erfahrungen definieren als die erlebnismäßige Ausdehnung oder Erweiterung des Bewußtseins über die gewöhnlichen Grenzen des Körper-Ich sowie über die Beschränkungen von Raum und Zeit." (S. 64)  

"Die moderne thanatologische Forschung liefert somit eine Bestätigung für die Schilderungen aus dem Tibetanischen Totenbuch, nach denen der Mensch nach seinem Tod den "Bardoleib" annimmt, der die Beschränkungen durch Raum und Zeit überwindet und frei um die Erde reisen kann." (S. 99)  

"Plötzlich verstand ich das Prinzip, das dem Aufbau des Weltalls zugrundeliegt. Die schöpferische Quelle und Kraft des Universums war das kosmische Bewußtsein, das eine endlose Reihe von Dramen spielte, Dramen, wie wir sie von der Bühne oder vom Film her kennen. In diesem Drama ist es das Spiel, sich zu verlieren, um sich wiederzufinden. Dieses Bewußtsein des Universums inszeniert Trennung, Ablehnung, Schmerz, das Böse, Leid und Dunkelheit, nur um die unendliche Freude erleben zu können, seinen sicheren und wonnigen Urzustand wiederzuentdecken." (S. 175)

"Wir konnten wiederholt die Beobachtung von Wilhelm Reich bestätigen, daß psychische Widerstände und Abwehrmechanismen über die Blockierung des Atems wirken. Die Atmung nimmt unter den physiologischen Körperfunktionen eine deutliche Sonderstellung ein. Sie ist eine autonome Funktion, kann aber leicht durch den Willen beeinflußt werden. Die Beschleunigung des Atemrhythmus und die Erhöhung der Wirksamkeit des Atmens baut in der Regel die psychischen Abwehrmechanismen ab und bewirkt eine Freisetzung und Bewußtwerdung unbewußten (und überbewußten) Materials." (S. 208)  

"In der holotropen Therapie muß man voll und ganz den Impulsen nachgeben, die die Musik in einem auslöst - handele es sich nun um Weinen, Lachen, Grimassieren, Schütteln, verschiedene Körperverrenkungen, sinnliche Beckenbewegungen oder andere emotionale, stimmliche und motorische Reaktionen." (S. 225)  

"Dies stützt die Hauptthese dieses Buches, nämlich daß zwischen psychedelischen Erlebnissen und außergewöhnlichen Bewußtseinszuständen, die durch andere Techniken herbeigeführt werden - etwa durch Atemtechniken, Singen und Tanzen, Trancetanz, Meditation, usw. - kein grundlegender Unterschied besteht." (S. 338)


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Werden transpersonale Erfahrungen in die persönliche Mythologie integriert, wirken sie gleichzeitig psychodynamisch und stabilisierend. Geschieht dies nicht, können Stagnation und Destabilisierung die Folge sein.




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Mandalas
die in außergewöhnlichen Bewusstseinszuständen entstehen, spiegeln unseren gegenwärtigen seelischen Zustand auf besonders tiefgründige Weise.



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Ken Wilber (geb.1949)
gehört neben Stan Grof zu den bedeutendsten Vertretern der transpersonalen Psychologie. Zu seinen Hauptwerken zählt
Eros, Kosmos, Logos.
Das Buch beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit der evolutionären Entwicklung von Materie > Leben > Geist.

Ein Manko der holotropen Atemtherapie ist die oft unzureichende Integration transpersonaler Erfahrungen.

Ken Wilber hat nicht ganz unrecht, wenn er fragt:
"[...] wohin gehen die Menschen dann mit ihrer Erfahrung? Was machen sie daraus? Wie können sie die Erfahrung manifest werden lassen? Sind sie bereit für eine stabile Anpassung an die Erfahrung ?"
(Ken Wilber, Eros, Kosmos, Logos, Fischer Verlag, Frankfurt/M, 2001, S. 812)

Ähnlich äußert sich Ingo Benjamin Jahrsetz:
Allzu häufig werden spirituelle Öffnungen, die starke emotionale Verwirrung verursachen können, psychiatrisch im Sinne der Schulmedizin diagnostiziert und als Psychosen behandelt, was bei den betroffenen Menschen großen Schaden anrichten kann. Auf der anderen Seite stehen spirituelle Lehrerinnen und Lehrer, die die Dynamik spiritueller Energien kennen, jedoch unerfahren sind im Umgang mit westlichen Strukturen. Häufig werden die Schwierigkeiten der Integration dann übergangen, was oft bezahlt wird mit inflationärem, scheinbar spirituellem Gehabe und einer Verleugnung der eigenen Lebensrealitäten.

(Ingo Benjamin Jahrsetz, Holotropes Atmen - Psychotherapie und Spiritualität, Pfeiffer Verlag bei Klett-Cotta, Stuttgart, 1999, S. 18 f.)

Ich kann aus eigener Erfahrung bestätigen, dass holotropes Atmen in diesem Punkt ergänzungsbedürftig ist.
Nach meinem ersten holotropen Atemwochenende erlebte ich trotz - oder besser gesagt - wegen einer außerordentlich tiefen Gipfelerfahrung eine persönliche Krise, in der ich mir gewünscht hätte, mich mit einem kompetenten Partner auszutauschen. Leider stand mir damals niemand zur Verfügung.

Kurz nachdem ich die Krise überwunden hatte, kamen Klienten in meine Praxis, denen ich bei der Integration ihrer transpersonalen Erfahrungen behilflich sein konnte, indem ich sie dabei begleitete, ihre in außergewöhnlichen Bewusstseinszuständen durchlebten Erfahrungen in die eigene Lebensbiografie bzw. persönliche Mythologie zu integrieren.

Auf der Seite "Transspiritualität" findet sich ein kurzer Bericht über zwei meiner eigenen transpersonalen Erfahrungen.

>> Synchronizität und Orakelsysteme



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