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Philosophische Praxis und Spirituelle Praxis

Transspiritualität
Evolution der Ewigen Liebe

Bedingungslose Liebe, Urvertrauen, Spiritueller Pfad, Zen, Buddhismus, Christentum, Licht, Quantenphysik, Gipfelerlebnisse, Ekstase, Einssein, Himmel, Hölle, Ego, Selbst, Tat twam asi, Wu wei, Geistige Klarheit

Seite 1

  1. Einleitung
  2. Seite 1
    1. Liebe als ewiger Augenblick der Freude
    2. Der spirituelle Pfad: Schleusen und Klippen
    3. Erfahrungen des Einsseins
    4. Essenzen mystischer Erfahrung - Erleuchtung und das alltägliche Leben
  3. Seite 2
    1. Tat twam asi und Wu wei
    2. Resonanzgesetz - Karma - Bardos
    3. Das Jenseits - Implizite Ordnung - Nirvana
    4. Koinzidenz und Kausalität
    5. Möglichkeit und Wirklichkeit
    6. Evolution der Liebe
    7. Einklang mit dem schöpferischen Urprinzip
    8. Wu wei - Weg der Freude und Gelassenheit
  4. Anhang: Text aus den Upanishaden - Zitat von Dostojewski - Quellen

Einleitung

Dieser Mensch ist liebevoll, warmherzig, herzensgut; sein Herz ist offen, groß und sitzt am richtigen Fleck. So sprechen wir von Menschen, deren Verhältnis zu anderen Lebewesen wesentlich durch interessenlose Liebe geprägt ist. Ist dieser Menschentyp vom Aussterben bedroht? Der alte lateinische Spruch Homo homini lupus. - Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf. -, von Thomas Hobbes als Naturzustand des Menschen gedeutet, scheint auch heute noch in leicht abgewandelter Form zu gelten. Seitdem die Wölfe Kreide gefressen und gelernt haben, dass es profitabler ist, die Beute in Vampirmanier auszusaugen, statt sie aufzufressen, lautet der Grundsatz moderner "humanitärer Gesellschaften": Homo homini instrumentum = Der Mensch ist dem Menschen ein Mittel zum Zweck.

Modern sein bedeutet, auf zynische Weise kaltherzig zu sein, andere Lebewesen zu Instrumenten des eigenen Vorteils zu machen. Wer das nicht tut, gilt heute nicht als gut, sondern als dumm. Diese Menschen werden als geborene Opfer betrachtet. So stehen die "Dummen" vor der Wahl, als gute Menschen zugrunde zu gehen oder selber schlau zu werden, das heißt ihre dolchscharfen Zähne in die Hälse derer zu stoßen, die aus Gier und Verblendung nicht merken, was mit ihnen geschieht, oder die als Liebende eher bereit sind zu sterben, als sich auf den Tanz der Vampire einzulassen.

"Der Mensch kann nicht gut sein und leben."
, lautet die Botschaft von Bertolt Brechts Der gute Mensch von Sezuan. Bleibt uns wirklich nur die Alternative zu sterben, oder ein schlechter Mensch zu sein? In Brechts Parabel wird dieses Dilemma dadurch vorläufig gelöst, dass die "gute" Heldin, Shen Te, kurz vor ihrem drohenden Untergang als Shui Ta in einen machtschreiendes Männeranzug schlüpft und überlebensstrategisch so lange "schlecht" wird, bis eine neue Grundlage für das physische Überleben erwirtschaftet ist.

Auf die Frage, warum die gute Shen Te "verreisen" musste, antwortet diese in der Verkleidung des Shui Ta "Weil ihr sie sonst zerrissen hättet!" Brecht bietet uns keine finale Lösung für das von ihm auf den Punkt gebrachte existenzielle Grundproblem des Menschen. Im Epilog fallen die berühmten Worte:

"Wir stehen selbst enttäuscht und sehn betroffen
Den Vorhang zu und alle Fragen offen."


In den letzten beiden Zeilen der Parabel fordert der Autor jeden Einzelnen auf, einen guten Schluss für das Stück zu finden:

"Verehrtes Publikum, los, such dir selbst den Schluss!
Es muß ein guter da sein, muss, muss, muss!"


Wenn überhaupt, kann also den guten Schluss nur jeder für sich selbst finden. Was ich im Folgenden beschreibe, ist weniger ein guter Schluss, als ein ewig neuer Anfang.

Die Pfade jenseits der von Turbo-Egos gebauten Schnellstraßen des Lebens sind keine bequemen Wege. Wer ist schon willens, diesen Aufrufen zu folgen?:

Sei eher bereit zu sterben, als in Kauf zu nehmen, deine Seele zu verkaufen.

Respektiere auch die Wölfe und Vampire in dir und in den Anderen, betrachte ihren Tanz, aber tanze nicht mit ihnen.

Folge der Stimme deines Herzens - auch wenn sie dich in die Einsamkeit führt - und freue dich, wenn dich auch nur ein Gefährte auf deinem Weg begleitet.


Behandle dich und alle Lebewesen so, als müsstest du ihnen für alle Ewigkeit in die Augen schauen.

Um zu verdeutlichen, dass es mir hier weniger um die Darstellung, als um den Versuch der Befreiung von philosophischen und spirituellen Lehren geht, habe ich den beiden folgenden Seiten die Überschrift Transspiritualität gegeben. Die Quelle eines transspirituellen Lebens befindet sich jenseits aller Lehren. Unter Transspiritualität verstehe ich eine geistige Haltung, in der man einen Punkt erreicht hat, wo man sich bewusst von allen Lehren verabschiedet, die einen zu diesem Punkt hingeführt haben.

Der Untertitel Die Evolution der Ewigen Liebe erscheint auf dem ersten Blick paradox. Wie kann etwas ewig sein und doch einen Evolutionsprozess durchlaufen? Die westliche Logik, mit Ausnahme der Dialektik, stößt hier an ihre Grenzen. Sie ist nicht in der Lage, die gleichzeitige Wirklichkeit von sich formal widersprechenden Gegensätzen zu begreifen, wie zum Beispiel die Gleichzeitigkeit von Henne und Ei. Nach den Gesetzen der westlichen Logik muss eines von beiden zuerst da gewesen sein, was nichts anderes bedeutet, als dass Leben im logischen Sinne unmöglich ist.
Henne-und-Ei-Paradoxon
Das Henne-und-Ei-Paradoxon in der westlichen Logik.
Nach den Gesetzen der Logik ist Leben unmöglich.

Andreas Tenzer

Die östlichen Lehren hatten mit der Henne-Ei-Paradoxie nie ein Problem. Der Begriff des Tao suggeriert beispielsweise, dass alles, was in der Welt der Manifestationen als Gegensatz erscheint, im einheitlichen Urgrund eins ist. Der neueste Stand der streng wissenschaftlichen Physik scheint diese Weltsicht zu bestätigen, wie die Aussagen führender Quantenphysiker wie David Bohm, Heisenberg, Schrödinger, David Deutsch u.a. belegen. David Bohm geht zum Beispiel davon aus, dass alle Erscheinungen in der manifesten Welt - er nennt sie explizite Ordnung - Wirklichkeiten sind, die aus einem transzendenten, der wissenschaftlichen Forschung unzugänglichen Reich der Möglichkeiten = implizite Ordnung entstammen. Die hier vertretene These von der Evolution der Ewigen Liebe befindet sich also sowohl im Einklang mit den spirituellen Einheitslehren aller Zeiten, sowie der philosophischen Dialektik als auch der Quantentheorie.

Dennoch sind die hier vorgestellten Überlegungen sehr persönlicher Natur, und nichts liegt mir ferner, als für sie objektive Gültigkeit zu beanspruchen. Ausgehend von eigenen transpersonalen Erfahrungen entwickele ich ein subjektives Bild vom Kosmos, das mir seit einigen Jahren als Orientierungsrahmen dient. In wesentlichen Punkten stimmen die Gedanken aber sowohl mit den Kernaussagen der philosophia perennis überein als auch mit den philosophischen Implikationen der Quantentheorie, wie aus den auf diesen beiden Seiten angeführten Zitaten ersichtlich ist.

Mit der zentralen These, dass der Kosmos eine Evolutionsgeschichte der Liebe ist, betrete ich Neuland und bin mir des spekulativen Charakters dieser Sicht auf Himmel und Erde bewusst. Wenn ich hier den Begriff Himmel verwende, meine ich damit Liebe als einen bewussten Zustand ohne Eigenwillen, der auf Erden immer nur zeitlich begrenzt erlebt werden kann. Als Dauerzustand wäre es der Himmel der Ewigen Liebe.

Durch alle Texte ziehen sich als roter Faden die beiden Fragen:
Was ist Liebe?
Wie kann ich in Liebe, Freude und Gelassenheit leben?

1. Liebe als ewiger Augenblick der Freude

"Liebe als kosmische Evolution? Ist das nicht blanker Zynismus angesichts des Bösen in der Welt, das heute mehr denn je die Oberhand zu gewinnen scheint? Ich habe eher den Eindruck, dass die Liebe vom Aussterben bedroht ist!"

Diese Worte, die mir ein Leser im Jahr 2006 schrieb, bringen ein Lebensgefühl zum Ausdruck, das besonders in den hoch industrialisierten Staaten am Beginn des dritten Jahrtausends weit verbreitet ist.

Wenn ich hier von Liebe spreche, meine ich nicht die Liebe zu bestimmten Personen, Dingen oder Aktivitäten, sondern bedingungslose Liebe, die Robert Musil einmal als Ekstase bezeichnet hat, ein Zustand der raumzeitlosen Freude.
Wir können diesen Zustand - wenn überhaupt - nur momenthaft erleben, sind also nur ein kurzer Gast der ekstatischen Liebe, in der wir die Einheit von Allem erfahren.

Nahtoderfahrungen

Aufgrund eigener Erfahrungen, die ich während eines mehrstündigen Aufenthalts im "Jenseits von Raum und Zeit" erleben durfte und über die ich später kurz berichten werde, hat sich mein Eindruck gefestigt, dass die gesamte Schöpfung ein Evolutionsprozess der Liebe ist.

Bereits zuvor hatte ich bei einem Nahtoderlebnis mit ansehen müssen, wie mir unendlich viele Situationen meines Lebens in einem extremen Zeitraffer gespiegelt wurden mit einem gemeinsamen Nenner: Es waren ausschließlich Momente, in denen ich mich als lieblos Handelnder sah. Ich hatte das Gefühl, dass mein ganzes Leben ausnahmslos sinnlos war und einer gerechten, totalen Auslöschung entgegensah. In einem inneren Dialog mit einer unbeschreiblichen Macht, die viele Gott nennen, hörte ich mich die Worte sprechen: "Ja, ich habe den Tod verdient."

In verzweifelter Erwartung meines physischen Todes als totale Finsternis tauchten plötzlich Szenen der bedingungslosen Liebe aus meinem Leben auf. Obwohl es im Vergleich zu den als sinnlos empfundenen Momenten nur wenige waren, hatte ich das Gefühl, als würde sich mein Herz über das gesamte Universum ausbreiten. Ich war mit allem verbunden, was Liebe ist und empfand eine Freude, von der ich überzeugt war, dass sie in alle Ewigkeit durch nichts würde getrübt werden können.
Nie zuvor in meinem Leben war ich mit einer Liebe dieser Qualität in Berührung gekommen. Nachdem ich realisiert hatte, dass ich nicht gestorben war, erwachte in mir ein starkes Bedürfnis, in meinem "geschenkten" neuen Leben die bedingungslose Liebe als Maß aller Dinge zu sehen.

Wenige Stunden nach diesem Erlebnis kam mir der Gedanke, dass es beim realen physischen Tod genauso sein könnte. Es schien mir, dass alles, was aus Liebe geschieht, unsterblich ist, dass Liebe das einzige von uns ist, was das reinigende Feuer des Todes überlebt. Besonders tief beeindruckte mich die Verbindung von Liebe und untrübbarer Freude, was mir die innere Gewissheit gab: Liebe ist ewige Freude.

Mir war schon damals bekannt, dass Erlebnisse dieser Art von "Weltmenschen", insbesondere von Psychiatern, gern in die pathologische Schublade gesteckt werden, weil sie in der Regel nur mit Menschen in Berührung kommen, denen es nicht gelingt, transpersonale Erfahrungen in ihr Leben zu integrieren. Im gelungenen Fall können diese aber zur inneren Gewissheit führen, dass in der gesamten Schöpfung die Flamme der Liebe brennt. Ein untrügliches Zeichen dafür, dass jemand eine transpersonale Erfahrung positiv bewältigt hat, ist der Zuwachs an Lebensfreude, Humor und Gelassenheit.

Es gab Zeiten, als ich über das, was ich hier berichte, selber den Kopf geschüttelt hätte. Deshalb erwarte ich auch nicht, dass jemand, dem solche Erfahrungen fremd sind, an meine Darstellungen glaubt. Es geht mir ausschließlich darum, von Erfahrungen zu berichten, die mir persönlich Urvertrauen und Gelassenheit zurückgegeben haben, und Gedanken vorzustellen, die aus diesen Erfahrungen erwachsen sind.

Leibfeindlichkeit im Christentum

Nietzsche hat nach meiner Einschätzung recht mit seiner Kritik an der Leibfeindlichkeit des Christentums. Wer es auf Erden nicht versteht sich zu freuen, wird es auch im Himmel nicht lernen. Die Verteufelung des Fleisches führte zu der pathologophilen Identifikation mit dem Jesus am Kreuz, dessen kleine Auferstehung angesichts des großen Kreuzwegs fast wie ein billiges Happy End in einer amerikanischen Hollywood-Schnulze anmutet.

"Schmerz und Lust sind nur entgegengesetzte Pole. Freude besteht darin, die Dinge so zu nehmen, wie sie sind." (1)

Charlotte Joko Beck

In unserer polaren Welt ist es fast unmöglich, diese Freude kontinuierlich zu empfinden. Sollte es aber einen nicht-polaren Urgrund geben, von dessen Existenz fast alle großen Weisen der Menschheit ausgehen, dann ist dieser kaum anders vorstellbar, als ein dauerhafter Zustand reiner Freude.

"Es ist was es ist sagt die Liebe."
In diesem ebenso einfachen wie wahren Satz spricht Erich Fried die bedingungslose Liebe an, die auf Erden bisher quantitativ zweifellos einer Übermacht des Eigenwillens gegenüberstand, deren Qualität sich aber dadurch auszeichnet, dass sie unvergänglich ist. Auch wenn sie in dieser Welt nur momenthaft erfahrbar ist, so ist die Liebe als Zustand der ewigen Freude doch ein Zeichen für ein jenseitiges Reich, in dem außer ihr nichts existiert.

Wer im Bewusstsein lebt, dass alles vergängliche Illusion ist, was nicht Liebe ist, der kann als Mensch "die Dinge so nehmen, wie sie sind", kann sagen "Es ist was es ist..." und braucht nicht auf den Tod zu warten, um in Freude zu leben. Er wird das Leid der Welt sehen, aber nicht beklagen, weil er den Schöpfungsprozess einschließlich der Menschheitsgeschichte als kosmische Evolution der Liebe begreift.

Gäbe es auf der Erde nur reine Liebe, so gäbe es keine Erde - sie wäre der Himmel. Das Böse dieser Welt ist nur der scheinbar furchtbare, in Wirklichkeit aber fruchtbare Boden, auf dem die Liebe wächst und gedeiht. Ohne die polaren Prinzipien Yin und Yang würde der Himmel stagnieren und die Engel gelangweilt an ihren Harfen zupfen.


2. Der spirituelle Pfad: Schleusen und Klippen

Wie kann man als Mensch in Freude leben, und wie kann man in den Zustand ewiger Freude gelangen? Das sind nach meinem Verständnis die entscheidenden Fragen des Lebens. Die größten Hindernisse auf dem Weg dorthin sind, etwas erreichen oder etwas bewahren zu wollen.

Auf unserer spirituellen Reise gelangen wir gelegentlich zu verlockenden Häfen, in denen wir in Versuchung geraten, uns niederzulassen, oder finden schöne Buchten, wo wir spontan unsere Zelte aufschlagen. Haben wir das Gefühl, endgültig angekommen zu sein, dann bauen wir unsere neue "Heimat" aus und schützen sie mit Theorien in Form von geistigen und materiellen Befestigungsanlagen. Als Angehörige einer Religion, einer Sekte, einer politischen Partei, eines Vereins oder irgendeiner Ideologie fühlen wir uns relativ sicher und frei.

Der Preis, den wir dafür bezahlen, ist aber ein unglückliches Bewusstsein, das keine andere Wahl hat, als sein Heil in der Instrumentalisierung all dessen zu suchen, worüber es Macht besitzt oder besitzen will.
Wir sind in eine der beiden großen spirituellen Fallen getappt, wenn wir glauben, die Wahrheit gefunden zu haben.
Festung
Feste Wahrheiten gleichen einer Festung, die permanent verteidigt werden muss. Mont Saint-Michel
Versuchen wir vor dieser Versuchung zu fliehen und bewegen uns rastlos von einem Ort zum anderen, dann stecken wir bereits in der zweiten großen Falle.

Wir haben das Gefühl, den letzten Wahrheiten und dem großen Glück auf der Spur zu sein.

Immer wieder geben wir uns aufs Neue der Illusion hin, der nächste Augenblick möge das enthalten, was der jetzige entbehrt.

Auf dem spirituellen Supermarkt und in religiösen Institutionen finden wir ein unerschöpfliches Reservoir an Heilsversprechen, denen wir mit eben soviel Enthusiasmus wie Naivität auf den Leim gehen. Permanent sind wir auf der Suche nach neuen Identitäten, um immer wieder enttäuscht fest zu stellen, dass keine von ihnen das Glücksversprechen einzulösen imstande ist, das wir in ruheloser Blindheit dort hineinprojiziert haben. Den Kopf voll, aber innerlich leer, haben wir keine andere Wahl als alles, was wir zu fassen kriegen, wie Vampire energetisch auszusaugen.

Wer glaubt, sein Glück oder die Wahrheit gefunden zu haben, ist ebenso auf dem Holzweg wie diejenigen, die glauben, sie suchen zu müssen.

Beide begehen den gleichen Fehler: Sie halten Wahrheit für etwas Festes, etwas das man besitzen könnte. In Wirklichkeit ist aber die Wahrheit etwas Fließendes, das Leben selbst als Prozess. Wer an eine bestimmte Wahrheit glaubt, oder sie sucht, koppelt sich vom Leben ab, das immer fließend unbestimmbar ist.

Relativität und Relativismus

Nach Heisenbergs Unschärferelation wissen wir, dass es unmöglich ist, gleichzeitig den genauen Aufenthaltsort von einzelnen Quanten und deren Impuls, das heißt die Bewegungsrichtung, zu bestimmen. Alle Energieformen befinden sich in permanenter Bewegung und in Wechselwirkung mit dem Ganzen.

Ein experimentell bewiesenes Beispiel dafür ist die Tatsache, dass die subatomaren Energiepartikel sich in "unbeobachtetem" Zustand anders verhalten, als wenn man ein Elektronenmikroskop auf sie richtet. Im Mikrokosmos versagen die exakten Berechnungsmethoden der Wissenschaft: Wo wir reine Gesetzmäßigkeit vermuteten, scheinen Zufall und Wahrscheinlichkeit zu regieren.

Ergibt sich daraus die Konsequenz, dass wir auf objektive Wahrheiten ganz verzichten müssen?
Ich glaube ja!
Würde diese Haltung zu einem Wertrelativismus, zu einer totalen Gleichgültigkeit gegenüber allem führen?


Dualität und Einheit

Dem dualistischen Denken, das von einer Trennung von Subjekt und Objekt, von Geist und Materie ausgeht, hat die Quantenphysik wohl endgültig den Garaus gemacht. Die fundamentale Wahrheit, die in der philosophia perennis seit rund 2500 Jahren von den Weisen aller Kontinente entdeckt wurde, lautet: Alles ist Eins.

Das bedeutet, dass Wahrheit weder gesucht noch gefunden werden kann, sondern nur in jedem Augenblick entweder gelebt oder nicht gelebt wird. Wahr bin ich, wenn ich mir des Einsseins bewusst bin und im Bewusstsein des Einsseins handle. Die Wahrheit, die ich in diesen Momenten erlebe, ist nichts anderes als das Leben selbst, dem die Aufspaltung in Sein und Bewusstsein fremd ist. Sobald ich zwischen mir und der Welt trenne, steige ich aus dem unendlichen Lebensprozess aus, bin tot bei lebendigem Leibe.

Tod ist Trennung. Leben ist Verbundenheit.

Deshalb offenbart sich uns das Geheimnis des Lebens nur im Zustand der grenzenlosen Verbindung mit allem, was existiert.

Aus den verschiedensten spirituellen Richtungen kennen wir die Beschreibung eines Zustands, bei dem wir in unserem eigenen Körper ebenso präsent sind, wie in der unmittelbaren Umgebung oder im Extremfall im ganzen Kosmos.
Die geläufigsten Begriffe dafür lauten:

Versenkung,
Mystische Ekstase,
Permanente Meditation,
Reines Gewahrsein,
Erfahrungen des Einsseins oder der Leere, Erleuchtung usw.

Spirituelle Lehren und Meister

Die meisten dieser Richtungen basieren auf einem breiten spirituellen Überbau mit zahlreichen und oft komplizierten Lehrsätzen, Übungen und sonstigen Anweisungen.

Das verwirrt viele Leute, und nicht wenige bleiben schließlich in diesem Überbau stecken, wie die Anhänger bestimmter Religionen in ihren Dogmen und institutionalisierten, blutleeren Ritualen.

Jede Lehre ist aber nur so gut wie das, was die Leute daraus machen, das heißt wie sie leben.

Würde man die spirituellen Meister aller Zeiten darauf festnageln, die Quintessenz ihrer Lehre in einem Wort zusammenzufassen, was könnte anderes dabei herauskommen als Liebe!

Jede spirituelle Praxis, die mich in die Sphäre der Liebe eintauchen und verweilen lässt, wird begleitet von einer Selbstauflösung aller spirituellen Lehren und Praktiken im Fluss des Lebens selbst. Was ist mit denen, die noch weit davon entfernt sind? Haben sie überhaupt eine Chance, sich nicht am eigentlichen Leben zu hindern durch Suchen und Sammeln von Wahrheiten?

Spirituelle Meister der verschiedensten Richtungen haben zu allen Zeiten betont, wie wichtig der Kontakt zu einem Lehrer auf dem spirituellen Pfad ist. Ohne sich an jemandem unmittelbar orientieren zu können, der lebt, was er lehrt, ist die Gefahr groß, dass man im Fluss des Tao an einer Schleuse stecken bleibt und sich nicht aus eigener Kraft auf die Ebene erheben kann, wo der Fluss seinen natürlichen Lauf fortsetzt.

Wem kein solcher Meister begegnet, dem bleibt nichts anderes übrig, als so viel wie möglich vom Leben selbst zu lernen. Philosophie und Spiritualität können dabei eine wertvolle Hilfe sein. Sie können aber auch zu einem Ballast werden, der uns daran hindert, den entscheidenden Schritt zu tun, nämlich einfach zu leben in Liebe zu uns selbst und zu allen Erscheinungen, denen wir in unserem Leben begegnen. Dieser Schritt ist der schwerste, weil er von uns die vertrauensvolle Hingabe an die absolute Macht verlangt, die den Weltlauf inszeniert und dirigiert.

"Das Unglück ist unser Stehenbleiben beim vorletzten Schritt!" (2)
Robert Musil - weitere Zitate von Robert Musil

Ist Schweigen die Antwort?


Zen magic light
Zen ist eine bewusst unbewusste Gratwanderung
zwischen Sein und Nichtsein.
© Bild: Barbara Müller, www.barbaram.mygall.net

Die kopernikanische Wende in der Spiritualität, die uns das Tor zur Transspiritualität öffnet, besteht also im radikalen Verzicht auf alle Theorien über das Leben, das heißt auf alle Lehren und so genannten Wahrheiten, ja selbst auf jegliches Stellen von Fragen. Dies sollten wir der Forschung und Wissenschaft überlassen, deren Aufgabe es ist, immer bessere Rahmenbedingungen für unser physisches und soziales Leben zu schaffen.

Am radikalsten wurde diese Wende vollzogen im Taoismus, insbesondere von Laotse, sowie im Zen-Buddhismus.

Als ein Mönch seinen Meister bat, ihm den Weg zu zeigen, ohne gesprochene Worte zu gebrauchen, soll dieser geantwortet haben:

"Frage mich, ohne gesprochene Worte zu gebrauchen." (3)

Sobald wir den Mund auftun, steigen wir aus dem unmittelbaren Prozess des Lebens aus.
Wäre also Schweigen die Lösung?

Dazu der Zen-Meister Bassui:

"Was du auch sagen magst, ist falsch. Und wenn du nichts sagst, ist es gleichermaßen falsch."
(4)

Das Leben drückt sich aus durch alle Erscheinungsformen, die es annimmt, und dazu gehört auch jedes ausgesprochene und geschriebene Wort. Falsch werden Worte immer dann, wenn sie den Anspruch erheben, etwas über das Leben an sich auszusagen und den Anschein zu erwecken versuchen, als stünden sie über dem Leben, statt ein bloßer Ausdruck desselben zu sein.

3. Erfahrungen des Einsseins

Licht bewegt sich mit einer Geschwindigkeit, die es uns als raum- und zeitlos erscheinen lässt. Diese Tatsache hat es seiner Formlosigkeit, seiner kreativen Leere, seinem konsequenten Verzicht auf jegliches Anhaften zu verdanken. Sobald das Licht "auf die Bremse tritt", um irgendeine Gestalt anzunehmen, verwandelt es sich in Materie, die der Quantenphysiker David Bohm einmal als gefrorenes bzw. kondensiertes Licht bezeichnet hat:

"Masse stellt ein Phänomen der Verbindung von Lichtstrahlen dar, die hin und her pendeln. Sie friert diese sozusagen in ein Muster ein. Damit steht Materie für kondensiertes oder gefrorenes Licht." (5)
David Bohm

Als solche taucht es in die Existenzweise von Raum und Zeit ein und ist somit der Vergänglichkeit, das heißt dem Gesetz von Leben und Tod ausgesetzt. Das Licht, das wir mit unseren Sinnen wahrnehmen, sei es in "gefrorener" Form oder als ein mit rund 300.000 Kilometern pro Sekunde sich fortbewegendes Etwas, ist immer die Erscheinung des Lichtes in unserer manifestierten Welt oder expliziten Ordnung, wie Bohm sie nennt.

Was das Licht in unmanifestierter Form ist oder in der impliziten Ordnung, können wir als irdische Wesen weder wahrnehmen noch erkennen.
Wir können bestenfalls - und das nur unter ganz spezifischen Voraussetzungen - Lichterfahrungen der besonderen Art machen, die über die den Naturgesetzen unterworfenen Lichtphänomene hinausgehen. Dafür muss sich unser Geist für einen Augenblick von seinem manifestierten Vehikel, dem Körper, lösen.

Außergewöhnliche Bewusstseinszustände

Das ist in so genannten außergewöhnlichen Bewusstseinszuständen der Fall, in denen Mystiker, Schamanen, Poeten aber auch ganz gewöhnliche Menschen, zum Beispiel bei Nahtoderlebnissen, für eine gewisse Zeit die Dimensionen des begrenzten Bewusstseins verlassen haben. Robert Musil meint dazu in Der Mann ohne Eigenschaften:

"Es gibt einen Zustand in der Welt, dessen Anblick uns verstellt ist, den eben die Dinge manches Mal da und dort freigeben, wenn wir uns in einem auf besondere Art erregten Zustand befinden. Und nur in ihm erblicken wir, daß die Dinge aus Liebe sind." (6)

Was Musil damit gemeint haben könnte, möchte ich am Beispiel des Mondes erläutern. Dem gewöhnlichen Betrachter erscheint dieser in der Regel als planetarische Kulisse, während er für den Wissenschaftler ein Gegenstand der Forschung ist. In beiden Fällen nimmt ein begrenztes Bewusstsein einen vergänglichen Gegenstand wahr, dessen jetzige Form sich spätestens in ein paar Milliarden Jahren aufgrund der Naturgesetze auflösen wird. Dem liebenden Auge öffnet sich dagegen das ewig Mondhafte des Himmelskörpers, dessen physikalische Gestalt dann nur ein Zeichen ist für den Liebesakt, dem der poetische Mond seine Unvergänglichkeit verdankt. Das Wesentliche des Mondes erschließt sich nur dem liebenden Auge.

"Der wirkliche Zustand des Menschen ist der, wo alles Zeichen ist." (7)
Robert Musil

Physikalisch betrachtet ist der Mond "gefrorenes Licht" im Sinne David Bohms; in der Wahrnehmung eines liebesdurchfluteten Herzens ist seine äußere Gestalt aber nur ein Zeichen für seine raum- und zeitlose Präsenz in der ewigen Sphäre von Licht und Liebe. Dem oberflächlichen wie dem forschenden Auge bleibt diese Dimension versperrt; sie öffnet sich allein dem liebenden Herzen, dessen Antennen und Sender auf Lichtfrequenz eingestellt sind.
Wie könnte man das schöner ausdrücken als Saint-Exupéry mit den Worten:
"Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar." (8)

Man sieht nur mit dem Herzen gut


Wir leben nur in den Momenten, wo wir mit dem Herzen sehen. Jeder Augenblick, der am bloßen Schein der Dinge haftet, verfehlt das Wesentliche und blickt in den Spiegel des Todes. Es ist ein Irrtum zu glauben, dass man erst sterben muss, um tot zu sein. Tot sind wir in jedem Augenblick, wo wir nicht mit dem Herzen sehen. Dann nämlich blickt das kalte Auge in das tiefgefrorene, zerfallende Licht, das sich vom Licht der Liebe abgespaltet hat.

Wenn es sich so verhält, warum sehen wir Menschen dann so selten mit dem Herzen? Der Grund dafür ist einfach: Wir neigen dazu, uns wesentlich mit dem Teil von uns zu identifizieren, der vergänglich ist, das heißt mit unserem Körper. Erst wenn wir dessen Endlichkeit akzeptiert haben, können wir gelassen leben.

Gelassenheit ist Einsicht in die Vergänglichkeit
.

Der Lohn dieser Einsicht ist die Entdeckung des Unvergänglichen in uns wie in allen Dingen, das Gewahrsein, dass das Wesentliche der Dinge aus Liebe ist, wie Musil es formuliert hat. Seiner Einschätzung nach können wir diese Erfahrung machen, "wenn wir uns in einem auf besondere Art erregten Zustand befinden", das heißt in einem ekstatischen Zustand oder Gipfelmoment.

Wenn uns solche Erfahrungen aber fremd sind:
Wie können wir in außergewöhnliche Bewusstseinszustände gelangen?
Wie können wir zu Gipfelerlebnissen kommen, in denen wir nur noch mit dem Herzen sehen?

Verbindung Himmel Erde
Licht
Verbindung zwischen Himmel und Erde



Gipfelerlebnisse

Gipfelerlebnisse kann man nicht willkürlich herbeiführen, im Gegenteil:
Die hingebungsvolle Absichtslosigkeit ist eine notwendige Bedingung für ihr Auftreten. Sie konfrontieren uns mit der ernüchternden Tatsache, dass unser Leben zwischen den Gipfeln aus Tälern besteht.
Statt nach ekstatischen Erfahrungen des Einsseins zu schielen, sollten wir deshalb lieber gar nicht erst versuchen, aus dem Fluss des Lebens auszusteigen, und stattdessen ein Gewahrsein entwickeln, das uns möglichst dauerhaft im Bewusstsein des Einsseins verweilen lässt.

Auf dem Weg dorthin können Gipfelerlebnisse, die durch Mark und Knochen gehen, dennoch für uns von großer Bedeutung sein, da wir durch sie etwas über die Rahmenbedingungen in Erfahrung bringen können, die mit Erlebnissen des Einsseins einhergehen. Darüber hinaus lassen sie uns am Zauber des Lebens teilhaben und wecken in uns das Verlangen, immer öfter mit dem Herzen zu sehen oder anders ausgedrückt, im Einklang mit dem Tao zu leben.

Aus diesen Gründen weiche ich hier ausnahmsweise und minimal von meinem Prinzip ab, nichts über persönliche Gipfelerlebnisse öffentlich preiszugeben.


Zauberberg Österreich
Leider hatte ich bei meiner Tour keinen Fotoapparat dabei. Doch dieser Berg ähnelt sehr dem Zauberberg im österreichischen Mieming, der mich an jenem Tag im Oktober mit Macht zum Aufstieg gerufen hatte.

Während eines schamanistischen Rituals in Amsterdam erlebte ich Folgendes:

Nach mehrstündigen rituellen Vorbereitungen gelange ich in einen tranceartigen Zustand. Zu keinem Zeitpunkt verliere ich mein Körperbewusstsein, obwohl mein Geist sich völlig von meinem Körper getrennt zu haben scheint.

Ich gebe hier nur beispielhaft einzelne Sequenzen wieder, da selbst die wenigen, an die ich mich erinnern kann, ein Buch füllen würden, wenn ich sie detailliert beschriebe.
Jede dieser Sequenzen dauerte in "Realzeit" nur wenige Sekunden.

"Ich erlebe den Tod von Millionen Soldaten aus den verschiedensten Zeitepochen und Erdteilen. Ich habe das Gefühl, jedes einzelne Gesicht zu kennen und den Tod jedes Einzelnen mit zu sterben. Die Gesichtsausdrücke decken das gesamte Spektrum menschlicher Emotionen ab, von äußerst friedlich bis schmerzverzerrt."

"Ich erlebe Millionen von Zeugungsakten und sehe die Kinder, die daraus entstehen, aufwachsen, leben und sterben. Bei jedem Aufflackern eines Gesichts habe ich das Gefühl, den momentanen emotionalen Zustand der Leute nachzuempfinden. Es sind wiederum Menschen aus allen Zeiten und Regionen, wobei auffallend viele Indianer darunter sind."

"Ich erlebe wie in einem an Lichtgeschwindigkeit grenzenden Zeitraffer Wachstum und Zerfall der - wie mir scheint - gesamten Erdvegetation von den Anfängen bis heute, allerdings nicht in chronologischer Reihenfolge. Manche Pflanzen und Bäume sehe ich klar vor Augen, andere nur schemenhaft."

"Ich reise durch unzählige Galaxien, sehe Sterne entstehen und vergehen, tauche ein in Sphären reinen Lichts und totaler Dunkelheit. Permanent höre ich Sphärenmusik, die mir vorkommt wie singendes Licht."

"Zwischendurch habe ich immer wieder das Gefühl, Bilder zu sehen, die sich gerade im Geist einzelner anderer Ritual-Teilnehmer spiegeln. Wie sich später herausstellen sollte,
hatte mich dieses Gefühl nicht getäuscht ."

Zu keinem Zeitpunkt konnte oder wollte ich während des Rituals meine Erlebnisse steuern. Und trotzdem fühlte ich mich so frei wie nie in meinem Leben.

Einige Tage nach dem Ritual schrieb ich in mein Tagebuch:

"Es war ein Zustand permanenter, untrübbarer Freude."

Selbst bei den "schrecklichsten" Dingen, die ich sah, wie etwa verzweifelte und anklagende Grimassen von Sterbenden, empfand ich eine beständige Freude, von der ich das Gefühl hatte, sie könne durch nichts auf der Welt eingetrübt werden.

Ebenso hatte ich nie das Bedürfnis, bei irgendwelchen schönen Dingen - wie etwa Körper von vollendeter Schönheit - verweilen zu wollen, wohl weil der Zustand, in dem ich mich befand, selbst die vollendete Schönheit war. So gab es kein Anhaften. Alles, was ich wahrnahm, war gleichzeitig Bild und Klang, ohne dass ich dazwischen hätte unterscheiden können.

Schon wenige Tage nach diesem Ritual wurde das Leben für mich zur Hölle. Alte unaufgelöste Anhaftungen forderten radikal ihren Tribut.
Was ich im Ritual erlebt hatte, gab mir aber die Kraft, diese Hölle durchzustehen, ohne die Freude am Leben zu verlieren.
Mein Urvertrauen wurde auf eine harte Probe gestellt und ist schließlich daran gewachsen.

Jenseits aller Grenzen, an die ich auch heute noch stoße, und aller Höllenlandschaften, die ich durchschreite, weiß ich jetzt um die Präsenz des Himmels als ewige Gegenwart.

Vor dieser rituellen Gipfelerfahrung hatte ich bereits eine Reihe von Erfahrungen des Einsseins, die - wie jeder, der sie erlebt hat, weiß - nur bedingt kommunizierbar sind, da das Eigentliche an ihnen nicht mit Worten auszudrücken ist.

Beständige Freude


Mahatma Gandhi
Rama = Die Quelle aller Freude war das letzte Wort, das Gandhi über die Lippen ging, als er von Schüssen tödlich getroffen starb.

Mystische bzw. animistische Erfahrungen können uns verwirren oder gar zur Verzweiflung bringen, wenn sie isolierte Licht-Blicke in einem ansonsten sinnleeren Leben darstellen. Sie können aber auch Schlüsselerlebnisse sein zu einem Leben in beständiger Freude, wenn es uns gelingt, den Zauber wahrzunehmen, der sich in jedem Augenblick unseres Lebens entfaltet.

Mahatma Gandhi
ist einer der Großen, denen das gelungen ist. Sein Lieblings-Mantra lautete: rama = beständige Freude. Für ihn war die Quelle, die sein rama nährte, die Bhagavadgita:


"Wenn mich Zweifel quälen, wenn mir Enttäuschungen ins Gesicht starren und ich keinen Funken Hoffnung am Horizont sehe ... dann nehme ich mir die Bhagavadgita vor und finde darin einen Vers des Trostes, und sofort beginne ich inmitten des größten Kummers zu lächeln." (9)
Mahatma Gandhi


Beständige Freude bedeutet nicht, keine negativen Gefühle zu haben, sondern tief im Innern die Freude nie zu verlieren, was auch immer mit uns oder anderen geschehen mag. Während wir im Zustand des Einsseins mit allem unmittelbar in Verbindung stehen, haben wir Zugang zur Quelle unseres rama, das heißt, hier sind wir an der richtigen Quelle, um aus kurzen Augenblicken reiner Freude eine beständige Freude zu beziehen, die auch in den dunkelsten Momenten unseres Lebens Bestand hat.

4. Essenzen mystischer Erfahrungen - Geistige Klarheit und das alltägliche Leben

Mystische Erfahrungen sind ekstatische Zustände der ewigen Liebe. Sie sind gekennzeichnet durch zwei besondere Erlebnis-Qualitäten:

1. Es gibt kein getrenntes Ich. Alles ist Eins: Tat twam asi

2. Alles geschieht ohne Eigenwillen: Wu wei

In den fernöstlichen Lehren wird dieser Zustand als Erleuchtung bezeichnet. Und in der Tat wird er erlebt als ein heller Blitz, der durch alle Glieder fährt, der in jeder Körperzelle wie auch in Geist und Seele die universellen Kernbotschaften zum Leuchten bringt:

Tat twam asi und Wu wei

Ekstatische Zustände in transpersonalen oder mystischen Erfahrungen sind aber nicht mehr als ein leuchtendes Strohfeuer, wenn es uns nicht gelingt, ihre Kernbotschaften im gewöhnlichen Alltag zu leben.

Mir ist noch kein Mensch begegnet, der nach einer Erleuchtungs-Erfahrung ausnahmslos als erleuchtetes Wesen gelebt hat, und ich glaube auch nicht daran, dass es einen solchen Menschen je gegeben hat. Für mich ist Erleuchtung ein regulatives Prinzip, das heißt eine Haltung, die auf vollkommene Erleuchtung ausgerichtet ist, die aber für einen Menschen aus Fleisch und Blut nie hundertprozentig, sondern immer nur annäherungsweise erreichbar ist.

Es gibt keine erleuchteten Menschen, sondern nur Handlungen, die Menschen im Zustand der Erleuchtung ausführen oder unterlassen. Deshalb ziehe ich persönlich den Begriff der "Geistigen Klarheit" dem der Erleuchtung vor.

Statt verkrampft nach vollkommener Erleuchtung zu streben, sollten wir deshalb einfach Hier und Jetzt entspannt aus dem Geschenk des Erleuchtungs-Bewusstseins heraus handeln, von Atemzug zu Atemzug. Dies setzt voraus, dass wir ein Gewahrsein entwickeln, das uns in möglichst vielen Augenblicken unseres Lebens aufspüren lässt, was es in einer konkreten Situation bedeutet, Tat twam asi und Wu wei zu praktizieren. So wird aus Erleuchtungs-Erfahrungen mehr und mehr ein Leben in geistiger Klarheit.

In Einfach Zen schreibt Charlotte Joko Beck:

"Wir stehen in jeder Sekunde vor einer Weggabelung: Der eine Weg führt uns zur Unbewußtheit, der andere zur Bewußtheit, der eine zur Abwesenheit, der andere zum Gegenwärtigsein - der eine zu äußeren Erfahrungen und der andere zum wirklichen Erfahren. Beim Üben geht es darum, von den Erfahrungen zum Erfahren, zum Erleben zu kommen." (10)


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